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	<title>Prinzip Zufall &#187; Allgemein</title>
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	<description>Kunst und Parapsychologie</description>
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		<title>Schwierigkeiten bei der Suche nach dem Übernatürlichen</title>
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		<pubDate>Tue, 21 Nov 2017 09:06:33 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
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8. Februar 1974
Aus der ZEIT Nr. 07/1974, Spuk und Spökenkiekerei
Von Thomas von Randow
Niemand weiß, ob es wirklich die Erscheinungen gibt, die man paranormale Phänomene oder im Volksmund schlicht Spuk und Spökenkiekerei nennt, also Gedankenübertragung, Hellsehen, Vorauswissen zukünftiger Ereignisse und die Bewegung oder gestaltliche Veränderung toter materieller Gegenstände allein durch psychische Beeinflussung, die sogenannte Psychokinese. Die [...]]]></description>
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8. Februar 1974<br />
Aus der ZEIT Nr. 07/1974, Spuk und Spökenkiekerei</p>
<p><strong>Von Thomas von Randow</strong></p>
<p>Niemand weiß, ob es wirklich die Erscheinungen gibt, die man paranormale Phänomene oder im Volksmund schlicht Spuk und Spökenkiekerei nennt, also Gedankenübertragung, Hellsehen, Vorauswissen zukünftiger Ereignisse und die Bewegung oder gestaltliche Veränderung toter materieller Gegenstände allein durch psychische Beeinflussung, die sogenannte Psychokinese. Die Existenz dieser Dinge, die gemeinhin dem „Übernatürlichen“ zugeordnet werden, ist bis zur Stunde in keinem einzigen Fall mit hinreichenden Indizien glaubhaft belegt worden.</p>
<p>Andererseits gibt es immer wieder Menschen, die behaupten, Paranormales erlebt oder beobachtet zu haben. Deshalb darf man nicht leichthin all dies für Unsinn erklären. Zumindest liegt Grund dafür vor, nach möglichen Hinweisen auf das Vorhandensein von Telepathie, Hellsehen und dergleichen zu fahnden und diese zu prüfen, damit die Menschheit hoffentlich einmal Gewißheit in dieser sie allenthalben bewegenden Frage erhält.</p>
<p>Dieser Aufgabe widmen sich die Parapsychologen in speziellen Forschungsstätten, zum Beispiel im Institut für Grenzgebiete der Psychologie der Universität Freiburg.</p>
<p>Diese Wissenschaft hat es aus vielen Gründen recht schwer. Im Gegensatz zu allen anderen Wissenschaften sind die Objekte parapsychologischer Forschung jedem Menschen ohne besondere Vorbildung verständlich. Also kann auch jeder mitreden, sich an dem Für und Wider in der Diskussion über paranormale Phänomene beteiligen. Und weil da alles noch ungeklärt ist, steht die Parapsychologie im Kreuzfeuer des populären Streits zwischen denen, die da glauben, und den Zweiflern.</p>
<p>Das ist nicht die einzige Last, an der die Parapsychologen zu tragen haben. Allzu viele Menschen sind geltungssüchtig, viele haben Freude am Schabernack, manche betrügen aus Gewinnsucht, andere wiederum leiden unter Krankheiten der Seele, die ihnen Trugbilder vorgaukeln und das Vermögen rauben, zwischen Einbildung und Realität zu unterscheiden. Schließlich gibt es noch die große Masse derer, die sich leicht und gern einreden lassen, sie hätten etwas erlebt oder beobachtet, was in Wirklichkeit gar nicht stattgefunden hat.</p>
<p>Alle diese Leute, von denen einige eine geradezu frappierende Geschicklichkeit im Anwenden raffinierter Manipulationen oder psychologischer Tricks an den Tag legen, sind potentielle Untersuchungsobjekte und damit Fallstricke der psychologischen Grenzwissenschaft.</p>
<p>Auf der anderen Seite ist da die Schar der Glaubensbereiten, die vor lauter Sehnsucht nach einer Bestätigung ihrer Überzeugung bewußt oder unbewußt kritische Stimmen, womöglich auch solche, die in ihnen selbst aufzukeimen versuchen, geflissentlich überhören. Und diesen Störfaktor finden die Parapsychologen nicht selten in den eigenen Reihen.</p>
<p>Streit um die Gültigkeit von Entdeckungen oder Theorien und Gläubigkeit, die manchen Forscher kritikblind macht, das gibt es in allen Wissenschaften und ebenso landläufig ist dort der ewig unbelehrbare Skeptiker. Doch wirkt sich für die Parapsychologie erschwerend aus, daß hier nicht nur die eine oder andere Entdeckung in Zweifel gezogen wird, sondern ihre gesamte Basis, nämlich die Existenz paranormaler Phänomene überhaupt.</p>
<p><strong>Ungeliebte Entlarver</strong></p>
<p>Darum wohl gehen selbst so feinsinnige und kluge Parapsychologen wie Professor Hans Bender, der Leiter des Grenzgebiet-Instituts im Breisgau, recht hart mit denen ins Gericht, die am Paranormalen zu zweifeln wagen. Sie gelten dem Gelehrten als psychisch suspekt. Hans Bender tut denn auch die „Entlarver“ schnell ab, womit er diejenigen meint, die bemüht sind, vorgeblich paranormale Phänomene als Zufallsergebnisse, manipulierte Resultate, Tricks oder Täuschungen zu enttarnen. Mit Recht weist er allerdings darauf hin, daß man die paranormale Natur eines Ereignisses nicht mit dem Nachweis entkräften kann, daß sich die gleiche Erscheinung auch mit einem Trick hervorrufen läßt.</p>
<p>Freilich ist dennoch die Entlarvung in allen Wissenschaften ein gebräuchliches Mittel zur Klärung im Experiment. Wenn ein Physiker zum Beispiel glaubt, mit einem speziellen Empfänger Schwerewellen registriert zu haben (die nach Einsteins Allgemeiner Relativitätstheorie existieren könnten und analog den Licht- oder Schallwellen die Schwerkraft übertragen), dann wird er sich zunächst fragen, ob diese Registrierung nicht auf einer Täuschung beruht, von anderen Kräften, von einem Fehler in dem Empfänger oder einer sonstigen Störung herrührt. Und wenn er sich einen Mechanismus ausdenken kann, der ihm die Schwerewellen nur vorspiegeln würde, wird er dies als ein schwerwiegendes Argument gegen sein Meßergebnis werten. Fortan muß er sich darum bemühen, die Fehlerquelle auszuschalten und sich so allmählich der Wahrheit nähern.</p>
<p>Der Physiker in unserem Beispiel aber ist im Vergleich mit dem Parapsychologen in einer glücklichen Lage, weil er sein Experiment jederzeit an einem beliebigen Ort wiederholen kann. Diese Reproduzierbarkeit des Versuchs, einer der Grundpfeiler der naturwissenschaftlichen Methodik, ist bei medial begabten Menschen (sofern es sie gibt) nicht unbedingt gegeben. Wenn ein parapsychologisches Experiment mißlingt, dann kann dies an der Stimmung des Mediums oder an der Laboratmosphäre liegen, die ein sorgfältiges Experiment mit sich bringt.</p>
<p>Skeptiker verwirrt dies außerordentlich. Denn sie erfahren immer wieder, daß ein für Medien offenbar unbekömmliches Klima immer gerade dann zu herrschen scheint, wenn man sie besonders strengen Versuchsbedingungen unterwirft. Dies läßt sich schließlich auch als deutlichen Hinweis darauf werten, daß unter den gestrengen Augen ungläubiger Experimentatoren die Gelegenheit zum Tricksen nicht mehr gegeben ist.</p>
<p>Besonders mißlich ist dieser Sachverhalt, weil andererseits in der parapsychologischen Literatur unzählige Para-Phänomene mitgeteilt werden, die angeblich unter Bedingungen zustande gekommen sind, welche einen Betrug oder eine Täuschung definitiv ausschließen. In jenen Fällen also haben plötzlich die strengen Experimentalbedingungen augenscheinlich das Medium nicht gestört. Das alles reimt sich nicht leicht zusammen.</p>
<p>Psi, wie man die unbekannten Kräfte oder Fähigkeiten paranormal begabter Personen kurz bezeichnet, ist zudem merkwürdig moralisch. Seit einem Vierteljahrhundert findet in diesem Lande Woche für Woche ein Zahlenlotto statt; aber man hat nie von einem Lottokönig gehört, der die sechs Richtigen mit seherischer Sicherheit tippt (wo doch kein Gesetz etwa verbietet, daß man sich paranormale Fähigkeiten beim Glücksspiel bedient). Der holländische Hellseher Croiset hat dafür eine simple Erklärung: „Wenn es um Geld geht, versagt die Begabung“ – so einfach ist das.</p>
<p>Wenn nun Psi wirklich so kapriziös und darum auf die naturwissenschaftliche Methodik in der Parapsychologie kein Verlaß ist, dann gibt es für die Verifizierung von Psi-Phänomenen nur das plausible Schließen, dessen sich zum Beispiel Astronomen häufig bedienen müssen: Man sucht nach der Erklärung eines Phänomens, die sich an leichtesten in das bisher erforschte System von Naturgesetzen einordnen läßt und hält dies für gültig, bis ein zwingender Grund vorliegt, diese Erklärung aufzugeben.</p>
<p>Das aber ruft die so ungeliebten Entlarver auf den Plan. Solange irgend jemand ein angeblich paranormales Ereignis ganz ohne „Para“ hervorrufen kann, besteht kein zwingender Grunc, ein Psi-Ereignis zu vermuten. Daran freilich halten sich Parapsychologen offenbar ungern, was das Beispiel von Ted Serios lehrt: Mister Serios, ein ehemaliger Hotelpage und heftiger Trinker, überraschte die wissenschaftliche. Welt mit der Gedankenphotographie. Er kann, so gibt er und so gibt auch sein Manager, Dr. Jule Eisenbul vor, ein Bild, das er sich ausdenkt, auf einen photographischen Film zaubern, indem er durch ein Röhrchen in eine Kamera blickt. just das kann der Zauberkünstler David B. Eisendraht auch, genauso wie Ted Serios, nur daß Eisendraht zugibt, einen Trick dabei zu verwenden und diesen auch veröffentlicht hat. Der Magier hat Herrn Seriös begutachtet, ihn einmal bei einem offensichtlichen Versuch, zu mogeln, ertappt und wohl mit seiner scharfen Aufmerksamkeit bewirkt, daß Ted trotz ungezählter Versuche an zwei Tagen kein Gedankenphoto zustande brachte, während Eisendraht lässig klare Photos aus dem vermeintlichen Nichts zauberte.</p>
<p>Diese Episode, die in der Zeitschrift Populär Photography (Oktober 1967) und in einer Zauber-Fachzeitschrift veröffentlicht wurde, ist von Parapsychologen bis heute nicht zur Kenntnis genommen worden. In der vorigen Woche erst stellte der holländische Psi-Forscher Tenhaeff am Fernsehen das Kunststück von Ted Serios als „Beweis“ für einen psychokinetischen also paranormalen Vorgang dar.</p>
<p><strong>Wenig Sorgfalt</strong></p>
<p>Parapsychologen, die es ernst meinen, ziehen gern zur Untersuchung absonderlicher Ereignisse Physiker und Techniker zu Rate. Sie gelten offenbar als besonders kritisch, was fraglos eher ein Mythos denn eine Tatsache ist. Die Sorgfalt, die solche Hilfsfahnder walten lassen, ist jedoch gelegentlich verblüffend gering. So berichtet Hans Bender in seinem neuen (und sehr lesenswerten) Buch „Verborgene Wirklichkeit“ (Walter-Verlag) über sporadisch gesprochene Satzfetzen auf Tonbändern. Er nennt sie „Einspielungen“, deren Herkunft ihm mysteriös vorkommen, weil sie während des Experiments, an dem sich mehrere Personen unterhaltend beteiligten, nachweislich nicht gesprochen wurden. Medialer Spiritus dieses Stimmphänomens soll ein okkultgläubiger Schwede sein, in dessen Gegenwart die Einspielungen, die übrigens äußerst schwach und darum nur mit geübtem Ohr vernehmbar sind, stattfanden.</p>
<p>Bender beschreibt die Vorkehrungen, die getroffen wurden, um ein mögliches Eindringen von Sendungen irgendwelcher Radiostationen in das Tonbandgerät zu verhindern. Wer sich in der Hochfrequenztechnik auskennt, kann über diese rührend einfachen Vorkehrungen nur lächeln. Radio wellen, besonders die kurzen und ultrakurzen, sind tückisch. Sie lassen sich nicht leicht mit einem „Faradayschen Käfig“, wie der Autor meint, abschirmen. Sie dringen durch feine Ritzen und – sehr zum Leidwesen von Funkamateuren – über das Lichtnetz in elektronische Geräte ein. Sie lassen sich in einem Versuchsraum auch nicht unbedingt mit einem Ferritstab und einem kommerziellen Radio, wie der in dem Buch zitierte Ingenieur Lemke glaubt, nachweisen.</p>
<p>Was die vermeintliche Geisterstimme gesagt haben soll, klingt – soweit es in dem Buch zitiert ist – verdächtig nach möglichen Gesprächsfragmenten von Hobbyfunkern. Besonders der Satz: „Man zieht einfach die Antenne raus“, der sehr deutlich gewesen sein soll, und die nur teilweise deutbaren Brocken in nicht einwandfreiem Englisch sprechen dafür. Funkamateure sind notorisch für einen höchst eigenwilligen Umgang mit Sprachen und Codewörtern.</p>
<p>Ehe man die Geister Verstorbener oder mediale Kräfte bemüht, sollten zuerst alle denkbar technischen Erklärungen ausgelotet werden. Das übersteigt sicher oft die Möglichkeiten eines Instituts für psychologische Grenzfragen, wie aufrichtig es sich auch darum bemühen mag. Darum schlagen wohlmeinende Beobachter der parapsychologischen Szene vor, die Abklärung absonderlicher Begebenheiten zunächst ohne Parapsychologen von Fachleuten im Trickbetrug wie Zauberkünstlern oder Kriminalpolizisten und von hartgesottenen Skeptikern vornehmen zu lassen, ehe sie den Parapsychologen überlassen werden. Sie, die doch so viel über die Ungereimtheiten des Verhaltens wissen, sollten auch ihrer eigenen Objektivität mißtrauen und einer solchen Arbeitsteilung zustimmen. Ohne Zweifel würden sie damit manche peinliche Überraschung und manche Angriffsfläche vermeiden, was einer Wissenschaft, derer wir so dringend bedürfen, nur helfen könnte. </p>
<p>http://www.zeit.de/1974/07/schwierigkeiten-bei-der-suche-nach-dem-uebernatuerlichen/komplettansicht</p>
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		<title>Laplac&#8217;scher Dämon</title>
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		<pubDate>Fri, 26 Feb 2016 19:26:09 +0000</pubDate>
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		<title>PSI</title>
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		<pubDate>Tue, 09 Oct 2012 14:59:18 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
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		<category><![CDATA[PSI]]></category>
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		<description><![CDATA[Psi ist ein negativ bestimmter Begriff, das heißt, die übliche  Vorgehensweise, Belege für parapsychologische Phänomene zu gewinnen,  geht über die statistische Abweichung vom mittleren Zufallswert. Der  kritische Punkt ist jedoch: statistische Abweichung vom mittleren  Zufallswert ist, streng genommen, nur ein Beleg für eine statistische  Anomalie, oder ein Indiz, dass irgendeine [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Psi ist ein negativ bestimmter Begriff, das heißt, die übliche  Vorgehensweise, Belege für parapsychologische Phänomene zu gewinnen,  geht über die statistische Abweichung vom mittleren Zufallswert. Der  kritische Punkt ist jedoch: statistische Abweichung vom mittleren  Zufallswert ist, streng genommen, nur ein Beleg für eine statistische  Anomalie, oder ein Indiz, dass irgendeine unbekannte Variable die  beobachtete Mittelwertabweichung bewirkt hat. Damit aber kann keine  positive Aussage über Psi gemacht werden. So stellt Psi eine Leerhülse  dar, die eigentlich nur beschreibt, dass die Daten eines Experimentes  mit den bekannten Variablen nicht zu 100 Prozent erklärt werden können.  Hyman geht noch weiter und schlussfolgert, dass selbst, wenn eine  parapsychologische Forschung in der Lage ist, einen signifikanten,  reproduzierbaren Effekt zu erzeugen, so wäre das noch weit entfernt von  der Schlussfolgerung, dass Psi-Wirkungen endlich bewiesen seien. Auch die positive Annahme, dass Psi existiert, wirft Probleme auf: 1.  Wenn jemand Psi-Fähigkeiten hat, muss er in den Versuchen erfolgreicher  abschneiden. 2. Daher tut er das auch. 3. Also muss er Psi-Fähigkeiten  haben. Das ist ein Trugschluss, der auf einer Rekursion beruht und in  die Rückbezüglichkeit hineinführt. Gewonnen ist damit jedoch nichts, solange keine positive Aussage gemacht werden kann, was nun Psi eigentlich ist.</p>
<p>Ausschnitt aus Wikipedia, http://de.wikipedia.org/wiki/Parapsychologie</p>
<p align="left"><a class="tt" href="http://twitter.com/home/?status=PSI+http://tinyurl.com/9ntg4y3" title=" "><img class="nothumb" src="http://www.felderfilm.de/blog/zufall/wp-content/plugins/tweet-this/icons/tt-twitter-micro3.png" alt="Post to Twitter" /></a> <a class="tt" href="http://twitter.com/home/?status=PSI+http://tinyurl.com/9ntg4y3" title=" "> </a> <a class="tt" href="http://www.facebook.com/share.php?u=http://www.felderfilm.de/blog/zufall/?p=903&amp;t=PSI" title="Post to Facebook"><img class="nothumb" src="http://www.felderfilm.de/blog/zufall/wp-content/plugins/tweet-this/icons/tt-facebook-micro3.png" alt="Post to Facebook" /></a> <a class="tt" href="http://www.myspace.com/Modules/PostTo/Pages/?l=3&amp;u=http://www.felderfilm.de/blog/zufall/?p=903&amp;t=PSI&amp;c=%3Cp%3EPowered+by+%3Ca+href%3D%22http%3A%2F%2Frichardxthripp.thripp.com%2Ftweet-this%22%3ETweet+This%3C%2Fa%3E%3C%2Fp%3E" title="Post to MySpace"><img class="nothumb" src="http://www.felderfilm.de/blog/zufall/wp-content/plugins/tweet-this/icons/tt-myspace-micro3.png" alt="Post to MySpace" /></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>Was ist Freiheit?</title>
		<link>http://www.felderfilm.de/blog/zufall/?p=601</link>
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		<pubDate>Sat, 28 Jan 2012 10:58:52 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Determinismus]]></category>
		<category><![CDATA[Freiheit]]></category>
		<category><![CDATA[Natur]]></category>
		<category><![CDATA[Neurowissenschaft]]></category>

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		<description><![CDATA[Alles ist sie für das  einzelne Individuum. Jede Einschränkung unserer persönlichen Freiheit  empfinden wir als unerträglichen Zwang. Deshalb zählt stets der  Freiheitsentzug zu den höchsten von Gesellschaften verhängten Strafen.  Umso merkwürdiger muss es erscheinen, dass die Freiheit immer wieder  unter den Beschuss der Weltanschauung  geriet. Man erklärte sie zur [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Alles ist sie für das  einzelne Individuum. Jede Einschränkung unserer persönlichen Freiheit  empfinden wir als unerträglichen Zwang. Deshalb zählt stets der  Freiheitsentzug zu den höchsten von Gesellschaften verhängten Strafen.  Umso merkwürdiger muss es erscheinen, dass die Freiheit immer wieder  unter den Beschuss der Weltanschauung  geriet. Man erklärte sie zur subjektiven Illusion, zur Täuschung einer  unaufgeklärten Erkenntnis, zur Falle, in die der Mensch durch  oberflächliches Alltagsdenken gerät.</p>
<p>Am weitesten in die  Vergangenheit zurück reicht die Aushöhlung des Freiheitsbegriffes durch  die Theologie. Hier ergab sie sich aus der Allwissenheit, welche  Kirchenfürsten von Augustin bis Luther und Calvin zu einem  unverzichtbaren Attribut Gottes erklärten. Allwissenheit besagt, dass  IHM die ganz Zukunft der Welt und damit auch aller menschlichen Denk-  und Handlungsvorgänge schon immer bekannt sei. Gegen dieses Postulat  ließ sich menschliche Freiheit nur retten, wenn man sich mit Tricks und  allerlei gewundenen Denkmanövern behalf. Freilich hat sich unsere  säkularisierte Zeit aus diesen theologischen Spitzfindigkeiten wenig  gemacht und das ganze Problem gleichgültig ad acta gelegt.</p>
<p><strong>Viel radikaler wird die Leugnung der Freiheit in den Naturwissenschaften</strong></p>
<p>Doch die Freude darüber  hält sich in Grenzen, denn mit dem Aufkommen der Naturwissenschaften  seit Beginn der europäischen Neuzeit feiert die weltanschauliche  Demontage der Freiheit fröhliche Auferstehung. Nun sind es die  Wissenschaftler, welche die gesamte Natur enträtseln und erklären  wollen. Deshalb erlassen sie seit vierhundert Jahren den Machtspruch,  dass alles in der Natur mit natürlichen Dingen zugehe,  sprich, gemäß einer universalen und ausnahmslosen Gesetzmäßigkeit, die  es, wie der französische Mathematiker Laplace auf eine Frage Napoleons  formulierte, einer überlegenen Intelligenz erlauben würde, aus der  gegenwärtigen Konstellation der kleinsten Bausteine des Universums alle  künftigen Arrangements, d.h. die ganze Zukunft, abzuleiten und damit  vorauszusehen.</p>
<p>Das war im Grunde eine  Fortsetzung des theologischen Credos von der in Gottes Allwissenheit  begründeten universalen Unfreiheit. Man hat ihren Ursprung nur aus dem  Himmel auf die Erde versetzt. Nicht mehr Gott, sondern der Mensch (als  Wissenschaftler) nimmt nun Allwissenheit für sich in Anspruch. Der  Gewinn, den sich die Naturwissenschaften von einer universalen  Gültigkeit des „Kausalitätsprinzips“ versprechen, liegt auf der Hand. Da  dieses Prinzip die Freiheit grundsätzlich ausschließt, wird die Welt  für die Naturwissenschaften zur in Raum und Zeit zur Gänze berechenbar.  Auch wenn ihre Erklärungen de facto höchst unvollständig sind und auch  bleiben werden, weil Menschen eben niemals über die umfassende  Intelligenz des laplaceschen Dämons verfügen, sind doch prinzipiell  der Enträtselung der gesamten Natur durch die Wissenschaften keine  Grenzen gesetzt. Voller Selbstgewissheit und Optimismus haben die  Wissenschaftler das Erbe der Theologen angetreten und übernommen.</p>
<p>Doch in ihrem  selbstbewussten Vorgehen blieb ihnen verborgen (und das trifft auch auf  die Philosophen in ihrem Gefolge zu), dass sie damit in eine Falle  tappten: die Falle eines fundamentalen Widerspruchs. Der Sinn der  meisten Gesetze, welche die Naturwissenschaften ermitteln, besteht ja in  deren praktischer Anwendbarkeit. Ihre Universalität wird erst dadurch  bewiesen, dass sie sich im Experiment zu beliebigen Zeiten und an  beliebigen Orten wiederholen lassen. Mit anderen Worten, sie beruht  darauf, dass eine gesetzmäßige Verknüpfung mit den dem Experiment  jeweils vorausgehenden Raumzeitpunkten kategorisch ausgeschlossen und damit Freiheit ebenso kategorisch vorausgesetzt wird. Die Naturwissenschaftler und ihre philosophischen Exegeten haben schlichtweg übersehen, dass  sie in einem Atemzug Freiheit zu ihrer notwendigen Voraussetzung  erheben und sie andererseits mit gleicher Entschiedenheit leugnen.</p>
<p><strong>Die Attacke der Neurologen</strong></p>
<p>Nur so ist zu erklären,  dass Freiheit in ihrem Weltbild nach wie vor ein umkämpftes Terrain ist,  so als könnten wir uns eine Wirklichkeit denken, in der es Freiheit  nicht gäbe. Und dabei spielen seit neuestem die Humanwissenschaftler,  genauer gesagt Neurologen, eine herausragende Rolle. Sie glauben ein für  alle Mal den empirischen Beweis zu erbringen, dass menschliche  Willensakte unmöglich als frei gelten können. Unser Wollen würde nämlich  stets um Millisekunden später erfolgen als die diesbezüglichen  Handlungen. Der „Willensakt tritt in der Tat auf, nachdem  das Gehirn bereits entschieden hat, welche Bewegung es ausführen wird.“  Für den prominenten Neurobiologen Gerhard Roth steht damit fest, dass  das Gefühl der Probanden, eine freie Entscheidung getroffen zu haben,  aus wissenschaftlicher Sicht als bloße Illusion zu verwerfen sei. „Wir  tun nicht, was wir wollen, sondern wir wollen, was wir tun“, das ist  auch die Überzeugung des Psychologen Wolfgang Prinz. Der Physiologe Wolf  Singer pflichtet ihm darin bei. In der Überschrift eines FAZ-Artikels  vom 8. Januar 2004 gibt Wolfgang Singer die Stoßrichtung seiner  Forschungen an: „Verschaltungen legen uns fest: Wir sollten aufhören von  Freiheit zu reden“.</p>
<p><strong>Das Experiment von Benjamin Libet</strong></p>
<p>Worin besteht nun das  berühmte Experiment, das in den Augen führender Neurologen unser  bisheriges Weltbild von Grund auf erschüttert? Der angebliche Beweis  gegen die Freiheit des Menschen wurde von Benjamin Libet (1916 &#8211; 2007)  in die Wissenschaft eingebracht. In seiner berühmten Versuchsanordnung  maß Libet die zeitliche Abfolge eines Willensaktes und einer von diesem  ausgelösten Muskelaktivität. Es zeigte sich in Libets Experiment, dass  das Bereitschaftspotential im Durchschnitt 550-350 Millisekunden dem  Willensentschluss vorausging, niemals mit  ihm zeitlich zusammenfiel oder ihm etwa folgte. Einfacher gesagt,  handelt der Mensch zuerst und wird sich erst dann bewusst, dieses  Handeln zu wollen, zu beabsichtigen oder hervorzurufen – wie immer man  diesen geistigen Vorgang auch nennen mag.</p>
<p><strong>Libet geht weiter als alle anderen Wissenschaftler vor ihm</strong></p>
<p>In seiner Aussage geht das  Experiment von Benjamin Libet viel weiter als es bei erstem Hinsehen  scheint. Es hat zwar an sich nichts mit der von den Naturwissenschaften  seit dem 17. Jahrhundert postulierten, universellen Kausalität zu tun.  Es vertritt eine viel bescheidenere Position, da es sich nur mit  menschlichen Willensakten befasst. In Wahrheit aber dehnt sich seine  Geltung gleichsam von selbst ins Universale aus. Sollte es nämlich wahr  sein, dass selbst der Mensch nachweisbar unfrei ist, dann brauchen wir  keine weiteren Gedanken mehr an die Natur zu verschwenden. Sie kann uns  vielmehr völlig gleichgültig sein, denn in Wahrheit geht es ja immer und vor allem um unsere eigene, also um die menschliche Freiheit.  Hat Libet Recht, dann könnte die Arbeitshypothese der Wissenschaften  als gesicherte Erkenntnis verstanden werden. Wir sind dann bis zu jener  letzten Bastion vorgedrungen, wo Freiheit von jeher mit größter  Heftigkeit verteidigt wurde: dem Menschen. Und diese Bastion ist  gefallen.</p>
<p>Damit scheint sich nach  zweitausend Jahren theologischer und vierhundert Jahren  wissenschaftlicher Diskussion der Kreis zu schließen. Das theologische  Dogma von der Unfreiheit des Menschen aufgrund von Gottes Allwissenheit  und das wissenschaftliche Credo von seiner Unfreiheit aufgrund der  Kausalgesetze scheinen durch die jüngsten Ergebnisse der Hirnforschung  bestätigt.</p>
<p><strong>Zunächst die Blindheit gegenüber den eigenen Voraussetzungen</strong></p>
<p>Ein Dogma und eine  Arbeitshypothese scheinen bestätigt – in Wirklichkeit sind sie es  keinesfalls. Die Kritik ergibt sich einerseits aus dem schon zuvor  Gesagten. Es muss auch in diesem Fall überraschen, dass die Hirnforscher  für den Widerspruch blind sind, den sie mit ihren Experimenten selbst  demonstrieren. Das libetsche Experiment können sie beliebig oft an  beliebigen Plätzen wiederholen &#8211; und erbringen mit dieser willkürlichen Reproduzierbarkeit den Beweis, dass ihr Entschluss durch den vorausgehenden Raumzeitpunkt auf keinen Fall  determiniert und damit das bloße Resultat einer entsprechenden  zerebralen Verdrahtung sein kann. Die Neurologen müssten sich darüber  hinaus auch eingestehen, dass eine solche zerebrale Determination – wenn  es sie wirklich gäbe – dem Experiment allen Sinn nehmen würde, weil ja die zu demonstrierende Wahrheit in dem Augenblick keine Wahrheit mehr ist,  da wir zu ihr – wie der Neurophysiologe Wolf Singer behauptet &#8211;  schlicht und einfach „verschaltet“ sind. Wahrheit und Lüge sind in  diesem Fall ununterscheidbar. Sind wir zu dem jeweiligen Ergebnis  verdammt und verurteilt, gibt es kein wahr oder falsch – und damit gibt  es auch keine Wissenschaft, deren Ergebnisse diesen beiden Kriterien  unterliegen.</p>
<p><strong>Warum herrscht Stille um ein sensationelles Ergebnis der Forschung?</strong></p>
<p>Aber bleibt nicht trotzdem das experimentell gesicherte Faktum bestehen, dass Menschen erst handeln und danach diese Handlung wollen?  Wenn es stimmt, dass die menschliche Unfreiheit damit zum ersten Mal in  der Geschichte experimentell bewiesen wurde, stößt man zugleich auf ein  merkwürdiges Rätsel. Warum löste dieser Beweis keine weltweite  Erschütterung aus, sondern beschäftigt nur eine Handvoll von Neurologen?  Da wird – so scheint es zumindest &#8211; ein Jahrtausendproblem auf  erstaunliche einfache Art gelöst, und kaum jemand scheint dies  wahrzunehmen, geschweige denn, sich ernsthaft dafür zu interessieren!</p>
<p>Einmal mehr zeigt sich  hier, dass die Menschen Entdeckungen danach bewerten, wie sehr sie ihren  Bedürfnissen und Sehnsüchten entsprechen. Die Menschen des 20. und 21.  Jahrhunderts sehnten sich, und sie sehnen sich mehr denn je nach einer  Befreiung aus dem Gefängnis der Natur als Maschine. Sie haben die  Quantenphysik begrüßt, weil sie glaubten, nun hätten die Physiker selbst  eine Öffnung in das stählerne Gebäude der wissenschaftlichen  Naturerkenntnis gesprengt. Sie hoffen auf die Wiederverzauberung, die  Wiederbeseelung der zum toten Ding erklärten Natur. Aber sie wollen  nichts davon wissen, dass jetzt sogar der Mensch – und das noch dazu  kraft eines anscheinend unanfechtbaren Beweises &#8211; zur Maschine gemacht  werden soll. Libets Entdeckung erklärt menschliches Wollen zu einem  Epiphänomen, einem illusionären Beiwerk. Erst ist die Handlung da, dann  leistet sich die Natur den ziemlich überflüssigen Luxus, uns  vorzugaukeln, dass wir es sind, die sie in Gang setzen wollten.  Wäre Libet im Recht, dann liefe seine Entdeckung auf einen endgültigen  Todesstoß für die Idee der Freiheit hinaus. Wir sind wieder da, wo  Spinoza, Descartes, Voltaire, Holbach, Büchner, Russell – kurz das  europäische Abendland seit nunmehr vierhundert Jahren &#8211; schon immer  waren: bei einem gegen unsere Gefühle und unser Denken gleichermaßen  unbarmherzigen Determinismus.</p>
<p><strong>Warum Libet irrte</strong></p>
<p>Doch wie verhält es sich in  Wirklichkeit mit diesem „Beweis“? Ist er schlüssig, liefert er uns  wirklich eine endgültige Antwort? Wird der aufgrund solcher  Forschungsergebnisse gezogene Schluss von der Unfreiheit des  menschlichen Willens nun unausweichlich?</p>
<p>Der aufgrund des libetschen  Experiments gezogene Schluss ist keineswegs unausweichlich. Obwohl ich  kein Neurologe bin, melde ich &#8211; ganz im Sinne von David Hume – meinen  entschiedenen Widerspruch an. Und zwar nicht deswegen, weil ich Libets  empirische Resultate für anfechtbar halte oder die Versuchsanordnung als  fehlerhaft einschätze. Eine solche Kritik steht nur dem Spezialisten  zu. Ich meine nur, dass sich aus ihnen ganz andere Folgerungen ableiten  lassen.</p>
<p>Mein Einwand ist von  schlichter und elementarer Art – so schlicht wie damals der Einwand von  Hume gegen das Kausalitätsprinzip. Seltsamerweise sind weder Libet  selbst noch die ihm folgenden Verfechter der Unfreiheit auf den recht  nahe liegenden Gedanken gekommen. Wenn beides, der subjektiv  wahrgenommene Willensakt (z.B. der Entschluss: „Ich will jetzt meine  Hand aufheben“) und seine objektive Manifestation (z.B. die  entsprechende Handbewegung) nur die verschiedenen Erscheinungsformen  einer gleichen, aber tiefer liegenden Ursache sind, so ist mit den Ergebnissen von Libet überhaupt nichts bewiesen.</p>
<p>Sie sind aber  offensichtlich die Erscheinungsformen einer tiefer liegenden Ursache.  Jeder von uns weiß ja um diese tiefer liegende Schicht. Wie oft liegt  uns zum Beispiel ein Wort auf der Zunge.  Wir wissen, dass es in uns vorhanden ist – einige Minuten später fällt  es uns plötzlich ein –, aber gerade in diesem Moment gelingt es uns  nicht, das Wort aus dem Unbewussten in unser Bewusstsein emporzuladen.  Derartige Fälle weisen uns unmissverständlich auf die Koexistenz zweier unterschiedlicher Dimensionen  hin. Bevor wir überhaupt etwas in voller Bewusstheit wollen, ist in  unserem Unbewussten schon eine entsprechende Regung vorhanden. Ja, das Bewusstsein setzt diese unbewusste Regung voraus  – nicht anders als das ausgesprochene Wort jenen Zustand, bei dem es  uns nur auf der Zunge liegt, aber wir es noch nicht ins Licht des  Bewusstseins zu heben vermochten. Sowohl die Handlung selbst wie der  bewusste Entschluss zu ihr ruhen demnach auf einem gemeinsamen  Untergrund – um dessen Existenz wir zwar wissen, den wir aber nicht  weiter beschreiben und schon gar nicht im Experiment messen können.  Dieses nicht mehr fassbare X, diese vorbewusste Stufe, kann man als den  „nicht-manifesten Willen“ umschreiben oder ihm irgendwelche anderen  Bezeichnungen geben.</p>
<p>Wenn dies so ist, dann verliert die zeitliche Abfolge auf der manifesten Ebene  alle Bedeutung im Hinblick auf das Problem menschlicher Freiheit. Der  vorbewusste Anstoß löst die manifeste Handlung um Millisekunden früher  aus als das manifeste Bewusstsein vom eigenen Wollen. Das ist alles. Die  Tatsache menschlicher Freiheit wird durch das Experiment von Libet, so  genial es ersonnen ist, durchaus nicht widerlegt.</p>
<p><strong>Was ist Freiheit?</strong></p>
<p>Doch was ist Freiheit, wo  beginnt sie, wo kommt sie her, wo hört sie auf? Diese Frage werden wir  niemals erschöpfend beantworten können. Denn was bringt mich etwa dazu,  im gegenwärtigen Moment diese und keine anderen Gedanken zu entwickeln?  Mir selbst erscheint das gegenwärtige Geschehen als sinnvoll, weil ich  selbst ihm diesen Sinn verleihe. Aus der Sicht eines anderen Wesens,  sagen wir einer Katze oder eines Hundes, die mich dabei beobachten,  drückt sich darin der bloße Zufall aus. Freiheit ist meine eigene und die allgemein menschliche Innensicht  auf den Zufall, schon das Handeln eines anderen Menschen muss mir nicht  unbedingt als sinnvoll erscheinen, in diesem Fall vermag ich auch darin  nur den Zufall zu sehen.</p>
<p>Freiheit ist das Feld meiner je eigenen Seinsgestaltung. Wenn wir die Freiheit wozu von der Freiheit wovon  unterscheiden, halten wir uns an den Sinn, den sie für unser tägliches  Handeln besitzt, doch über ihren gemeinsamen Urgrund mit der Freiheit in  der Natur, die wir zu Unrecht in dem schäbigen Begriff des Zufalls  erfassen, haben wir damit nichts gesagt. Bekanntlich schlägt die  Naturwissenschaft alles, was sie nicht durch Gesetze zu erklären vermag,  dem Reich des Zufalls zu. Aber vielleicht drückt der Zufall nur jenen  Bereich einer universellen Freiheit aus, der wir keinen menschlichen  Sinn zu geben vermögen?</p>
<p><strong>Die doppelte Unendlichkeit der Natur</strong></p>
<p>Auf jeden Fall ist Freiheit  das Kostbarste, was wir haben, weil sie uns aus dem Stahlgehäuse der  Welt als Maschine erlöst. Sie ist allgegenwärtig in Mensch und Natur:  die notwendige  Entsprechung zu den Naturgesetzen. Theologie und Wissenschaft haben  immer wieder versucht, sie hinwegzuleugnen, dennoch bricht sie als  überwältigende Realität immer wieder unter dem Dogma hervor. Die  Allgegenwart der Freiheit – die Voraussetzung dafür, dass  Wissenschaftler überhaupt sinnvolle Experimente anstellen können –  besagt nicht mehr und nicht weniger, als dass die Unberechenbarkeit der  Natur so unendlich ist wie ihre in Gesetzen erfassbaren Ordnungen. Wir  werden die Natur immer weiter entschlüsseln – das ist ein potentiell  unendlicher Prozess. Doch je mehr sich der Lichtkegel weitet, mit der  wir auf diese Weise uns selbst und die uns umgebende Wirklichkeit  erhellen, umso größer wird zugleich das umgebende Dunkel. Auch Benjamin  Libet hat mit seinem Experiment nur bewiesen, dass der Mensch weit  komplexer ist, als er angenommen und vielleicht sogar vorausgesetzt  hatte. Natur und Mensch behalten ihren Zauber und ihre Wunder.</p>
<p>© 22.11.2011 &#8211; Gero Jenner</p>
<p>http://www.gerojenner.com/portal/gerojenner.com/Was_ist_Freiheit.html</p>
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		<title>Freiheit und Wunder, Teil 2/3 &#8211; Beschwörung von Freiheit und Wunder</title>
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		<pubDate>Tue, 10 Jan 2012 12:14:31 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Wissenschaftler pflegen darüber den Kopf zu schütteln. Sie hören auf Beweise, aber sie ignorieren bloße Behauptungen. Und darin haben sie zweifellos recht: Ihr ganzer inzwischen vierhundertjähriger Erfolg beruht auf dieser Methode. Sämtliche Errungenschaften der modernen Technik, angefangen von der Dampfmaschine bis zum Computer setzen die sorgfältige Beobachtung der Natur voraus. Sie beruhen auf der Erkundung [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Wissenschaftler pflegen darüber den Kopf zu schütteln. Sie hören auf Beweise, aber sie ignorieren bloße Behauptungen. Und darin haben sie zweifellos recht: Ihr ganzer inzwischen vierhundertjähriger Erfolg beruht auf dieser Methode. Sämtliche Errungenschaften der modernen Technik, angefangen von der Dampfmaschine bis zum Computer setzen die sorgfältige Beobachtung der Natur voraus. Sie beruhen auf der Erkundung ihrer verborgenen Ordnung: auf Beweisen für geltende Gesetze und der Zurückweisung bloßer Behauptungen. Wer Natur und Mensch anders sieht als die Wissenschaft, muss dafür unwiderlegbare Gründe vorbringen. Andernfalls wird er im günstigsten Fall ignoriert, schlimmstenfalls rechnet man ihn voller Hohn dem Lager der Phantasten und Spinner zu, die uns die Wirklichkeit nicht erklären, sondern sie stattdessen mit ihren zerebralen Ausgeburten bevölkern. Beweis und bloße Behauptung sind für den Wissenschaftler nicht weniger weit voneinander entfernt als das moderne Zeitalter der Wissenschaften von der Vergangenheit einer Jahrtausende lang bloß fabulierenden Menschheit.</p>
<p>Die vorangehenden Zeilen mag der Leser als Einleitung betrachten, um ihn auf die im Titel ausgesprochene Ankündigung vorzubereiten. Ja, die Wissenschaften wollten vier Jahrhunderte lang das Leben auf Physik und Chemie reduzieren, die Freiheit aus der Natur vertreiben. Ihre philosophischen Wortführer von Spinoza über Leibniz bis hin zu Bertrand Russell glaubten, die Natur entzaubert, sie zur bloßen Maschine gemacht zu haben. Doch sie haben sich auf eine merkwürdige, in der Geistesgeschichte wohl einzigartige Weise geirrt. In Wahrheit ist Natur unter ihren Händen zum großen Geheimnis geworden. Ohne es selbst zu bemerken &#8211; ja, sich absichtlich gegen diese Einsicht sträubend &#8211; zeigen sie uns eine Natur, die ohne Freiheit prinzipiell nicht einmal denkbar ist. Und diese Befreiung der Natur führen die empirischen Wissenschaften nicht etwa beiläufig oder auf eine Weise herbei, über die man sich streiten könnte, sondern aufgrund ihres alltäglichen Vorgehens, nämlich durch die Methode des wissenschaftlichen Experiments. Mit dieser zeigen sie logisch zwingend, dass Gesetzhaftigkeit für sie nur eine Dimension des Wirklichen bildet, Freiheit aber dessen zweite fundamentale Kategorie &#8211; und zwar nicht allein die Freiheit des Menschen, sondern die der gesamten Natur. Damit widersprechen sie – wenn auch bisher ohne sich dessen bewusst zu sein &#8211; einer vierhundertjährigen Verleugnung der Freiheit.</p>
<p><strong>Kein Experiment ohne die Voraussetzung der Freiheit</strong></p>
<p>Die Wissenschaften der Natur zeigen Regelmäßigkeiten des uns umgehenden Geschehens auf. Diese beschreiben sie als Gesetze. So stellen sie etwa fest, dass Wasser unter normalen atmosphärischen Bedingungen stets bei hundert Grad Celsius aus dem flüssigen in den gasförmigen Zustand übergeht, oder sie beschreiben mit mathematischer Exaktheit die parabelartige Flugbahn einer abgeschossenen Kanonenkugel. Über ihre gesamte Dauer lassen sich derartige Geschehnisse gesetzmäßig beschreiben: unter gleichen Bedingungen zeigt der Verlauf in seinen einzelnen Stadien immer dieselbe Entwicklung. Die fortschreitende Erkundung derartiger gesetzhafter Gleichförmigkeiten hat Wissenschaft und Philosophie zu den vorher zitierten theoretischen Stellungnahmen geführt und dem sich daraus ergebenden Weltbild. Doch das ist nicht alles. Die Wissenschaft musste zur gleichen Zeit darauf bestehen – denn dadurch verbürgte sie die Wahrheit dieser Gesetze &#8211; dass die entsprechenden Geschehnisse jederzeit im Experiment überprüfbar seien. Mit anderen Worten, die empirische Wissenschaft behauptete nicht nur die Existenz gesetzhafter Abläufe, sondern sie musste zur gleichen Zeit darauf bestehen, dass diese Abläufe an beliebigen Orten zu beliebiger Zeit wiederholbar seien.</p>
<p>Mit diesem zweiten Teil ihrer Aussage über die Wirklichkeit stellt die Naturwissenschaft eine Bedingung auf, die der Notwendigkeit radikal widerspricht. Während die Kugel, einmal abgeschossen, sklavisch der Parabel und der von ihr beschriebenen Notwendigkeit folgt, gibt es für den Abschuss selbst, d.h. für den Beginn, keine Formel, keine Notwendigkeit, kein Gesetz – all dies kann es nicht geben, denn dieser Abschuss soll ja &#8211; so das Postulat der Wissenschaft &#8211; der Möglichkeit nach überall und zu jeder Zeit möglich sein. Der gesetzhafte Verlauf – die genau festgelegte Bahn einer abgeschossenen Kugel – und der willkürliche Beginn dieses Ereignisses, gehören zwei grundsätzlich unterschiedenen Dimensionen des Wirklichen an. Nur weil der Anfang des Verlaufes in völliger Freiheit erfolgt und erfolgen soll, ist es überhaupt möglich, dass die Wissenschaft Gesetze durch das Experiment zu beweisen (bzw. durch dessen Misslingen zu falsifizieren) vermag. Würde &#8211; wie Philosophen und Wissenschaftler von Spinoza über Leibniz bis zu Bertrand Russell unisono behauptet haben &#8211; alles Geschehen ausschließlich der Notwendigkeit gehorchen, so ließe sich keines der von ihr gefundenen Gesetze durch das Experiment beweisen, denn jedes regelmäßige Geschehen &#8211; wie etwa der Abschuss einer Kugel &#8211; wäre ja seinerseits das notwendige und damit gesetzmäßige Ergebnis eines vorangehenden Geschehens. So wie wir die Flugbahn der Kugel mathematisch genau beschreiben könnten, müsste es gleichfalls Gesetze geben, die genau vorauszusagen erlauben, warum nur eine Person soundso an dem Ort und zu jener bestimmten Zeit eine Kanonenkugel abschießt. Das aber wäre das Ende für das Selbstverständnis der empirischen Wissenschaften. Denn für diese ist ja – um es noch einmal zu sagen &#8211; gerade die Behauptung grundlegend, wonach jedermann zu jeder Zeit das Experiment willkürlich auslösen kann.</p>
<p>Damit leugnet die Wissenschaft in ihrem praktischen Vorgehen, was sie theoretisch als Dogma verficht: Sie leugnet mit aller Entschiedenheit und prinzipiell eine durchgängige Gesetzhaftigkeit der Natur. Und diese Leugnung vollzieht sie nicht etwa auf der oberflächlichen Ebene des Experiments, dessen Ergebnisse durch einen späteren Versuch immer noch annulliert (falsifiziert) werden könnten, sondern auf eine weit tieferen und in der Tat fundamentalen Ebene, nämlich in ihren Voraussetzungen.</p>
<p>Die Wissenschaften von der Natur setzen Freiheit aber nicht allein für den Menschen voraus, der als Experimentator jederzeit aufgrund seines Wollens eine neue Kette gesetzmäßiger oder zufälliger Ereignisse lostreten kann. Sie befreien nicht nur den Menschen, sondern zwangsläufig auch die Natur. Die von Spinoza bis Heisenberg geltende Auffassung, wonach alle Geschehnisse eine Kette von Zeitpunkten bilden, wo jeweils der spätere Punkt mit Notwendigkeit auf den jeweils früheren folgt (auch wenn das nur eine vollkommene Intelligenz zu erkennen vermag), wird durch die genannte Voraussetzung ad absurdum geführt. Der Mensch würde in diese Kette nicht nach Belieben eingreifen können, wenn es nicht überall Punkte gäbe, die zwar zeitlich aufeinander folgen, aber ohne Notwendigkeit &#8211; eine andere Abfolge ist jederzeit möglich. Um es in einem Bild auszudrücken: Das Gewebe der Notwendigkeiten, die wir als Gesetze beschreiben, ist mit Lücken übersät, in die der Mensch eingreifen kann. Nur deswegen kann er seine Umwelt nach eigenen Vorstellungen auf tausenderlei Weise gestalten. Es muss sich nach den Vorgaben bestehender Gesetze richten, aber auf unendliche Art kann er diese für seine Zwecke benutzen.</p>
<p>Naturwissenschaften und Philosophen in ihrem Gefolge haben die Freiheit dogmatisch geleugnet. Warum sie dies taten, lässt sich unschwer begreifen. Wenn man Natur mit ihren Mitteln erklären will, setzt man die Existenz von Gesetzen voraus, will man die Natur restlos erklären, darf es in ihr ausschließlich Gesetze geben &#8211; die Anerkennung von Freiheit hätte der Erklärung von vornherein unüberwindbare Grenzen gesetzt. In diesem Sinne war die Verbannung der Freiheit aus der Natur nichts anderes als ein Machtspruch der siegreichen Wissenschaften: Seit dem 17. Jahrhundert melden diese den Anspruch auf totale Erklärung und Enträtselung an. Sie mussten daher darauf dringen, dass kein Phänomen der Natur sich der Gesetzhaftigkeit entziehe. Schon David Hume, der große englische Skeptiker, hatte Bedenken angemeldet. Wenn ein Ereignis auf ein anderes folge, könnten wir, streng genommen, nie von einer Notwendigkeit sprechen, da wir immer nur eine endliche Zahl von Vorfällen kennen. Karl Popper verwies das Kausalitätsprinzip überhaupt in das Reich der Metaphysik, also des prinzipiell Unbeweisbaren.</p>
<p>Doch beide Denker sind mit ihrer Kritik nicht weit genug gegangen. Denn die Annahme einer durchgängigen Gesetzhaftigkeit der Natur ist nachweisbar falsch. Sie ist nicht nur falsch, weil der Mensch nie so allwissend sein wird wie der Dämon von Laplace oder ein Quantenphysiker, der nicht darauf hoffen darf, jemals den mikroskopischen Zustand der Welt zu kennen. Sie ist falsch, weil sie das logische Fundament der Naturwissenschaften zerstört. Man kann nicht von der beliebigen – also durch keine Gesetzmäßigkeit bedingten &#8211; Wiederholbarkeit gesetzhafter Geschehen im Experiment ausgehen und zur gleichen Zeit die durchgehende Gesetzhaftigkeit der Natur postulieren. Das eine Mal wird eine Welt der Freiheit, das andere Mal eine Welt der Notwendigkeit postuliert. Wissenschaft ist erst in dem Augenblick widerspruchsfrei, wo sie beide Dimensionen als Voraussetzung ihrer eigenen Methode und Weltsicht anerkennt: die Notwendigkeit undund die Freiheit.</p>
<p>&gt; <strong></strong><strong><a title="“Freiheit und Wunder, Teil 3 – Lücke im Gewebe der Notwendigkeiten” bearbeiten" href="http://www.felderfilm.de/blog/zufall/?p=604" target="_self">Freiheit und Wunder, Teil 3 – Lücke im Gewebe der Notwendigkeiten</a></strong></p>
<p>http://www.felderfilm.de/blog/zufall/?p=604</p>
<p>©14.11.2011 &#8211; Gero Jenner</p>
<p>http://www.gerojenner.com/portal/gerojenner.com/Freiheit_und_Wunder.html</p>
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		<title>Freiheit und Wunder, Teil 1/3 &#8211; 400 Jahre Dogma und Selbstverleugnung</title>
		<link>http://www.felderfilm.de/blog/zufall/?p=616</link>
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		<pubDate>Sun, 06 Nov 2011 12:14:09 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Seit dem 17. Jahrhundert scheint sich Wissenschaft kein anderes Ziel zu setzen als das der Entzauberung und Enträtselung. In hartem Kampf gegen die Kirche hat sie das Wunder mit dem Stahlbesen aus der Natur getrieben. „Es geht alles mit ganz natürlichen Dingen zu“ – das ist der Slogan, der uns in den Ohren dröhnt. Die [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Seit dem 17. Jahrhundert scheint sich Wissenschaft kein anderes Ziel zu setzen als das der Entzauberung und Enträtselung. In hartem Kampf gegen die Kirche hat sie das Wunder mit dem Stahlbesen aus der Natur getrieben. „Es geht alles mit ganz natürlichen Dingen zu“ – das ist der Slogan, der uns in den Ohren dröhnt. Die Natur wurde sterilisiert, das Geheimnis sollte und durfte in ihr keinen Platz einnehmen. An dieser Entzauberung hat sich die Philosophie machtvoll beteiligt. So heißt es etwa bei Leibniz (1646 &#8211; 1716): „dass alles durch ein festgestelltes Verhängnis herfürgebracht werde ist ebenso gewiss, als drei mal drei neun ist. Denn das Verhängnis besteht darin, dass alles aneinander hänget wie eine Kette, und ebenso ohnfehlbar geschehen wird, ehe es geschehen, als ohnfehlbar es geschehen ist, wenn es geschehen&#8230; so gar, dass wenn einer eine genugsame Insicht in die inneren Teile der Dinge haben könnte, und dabei Gedächtnis und Verstand genug hätte, um alle Umstände vorzunehmen und in Rechnung zu bringen, würde er ein Prophet sein, und in dem Gegenwärtigen das Zukünftige sehen, gleichsam als in einem Spiegel“.</p>
<p>Mit anderen Worten, die Natur ist im Prinzip – „wenn nur einer Gedächtnis und Verstand genug hätte“ &#8211; eine durch und durch berechenbare Maschine, ein Uhrwerk, wo alles nach unverbrüchlichen, ewigen Gesetzen geschieht. Drei Jahrhunderte später finden wir bei einem Denker von vergleichbarer Statur, bei dem großen Mathematiker und Philosophen Bertrand Russell (1872 &#8211; 1970), denselben Gedanken nur in eine etwas modernere Form gegossen: „Man geht davon aus, dass die Materie aus Elektronen und Protonen besteht, die von endlicher Größe sind und von denen es nur eine endliche Zahl in der Welt gibt&#8230; Die Gesetze dieser Änderungen lassen sich anscheinend in einer kleinen Zahl sehr allgemeiner Prinzipien zusammenfassen, welche die Vergangenheit und Zukunft der Welt determinieren, sobald irgendein kleiner Ausschnitt des Weltgeschehens bekannt ist“. Kein Geringerer als Albert Einstein hat diese Überzeugung auf die kürzeste jemals für die Welt als Uhrwerk gefundene Formel gebracht. Einsteins Diktum lautet in aller Knappheit: „Gott würfelt nicht“. Mit anderen Worten: Gott hat eine Maschine erfunden, die nach Gesetzen funktioniert und wo Freiheit – der Würfel – keinen Platz haben kann.</p>
<p>Einstein hat sich darin als begeisterter Schüler des Philosophen Baruch Spinoza (1632 &#8211; 1677) erwiesen &#8211; auch für diesen hat es in der gesamten Natur nicht den Funken von Freiheit gegeben. Wenn wir von Zufall sprächen, würden wir damit allein die Tatsache ausdrücken, dass wir bestehende Notwendigkeiten noch nicht als solche durchschauen. „Nachdem ich hier sonnenklar gezeigt habe, dass es ganz und gar nichts in den Dingen gibt, weswegen sie zufällig heißen dürften, will ich jetzt mit ein paar Wörtern auseinandersetzen, was wir unter zufällig zu verstehen haben&#8230; /zufällig/ heißt ein Ding&#8230; allein im Hinblick auf einen Mangel unserer Erkenntnis und sonst aus keiner anderen Ursache.“</p>
<p>Freiheit und Wunder? Wo sind diese im heutigen Weltbild der Wissenschaften zu finden? Haben diese nicht alles, was daran erinnern könnte, mit herrischer Vernunft aus der Natur hinausgetrieben? Ist die Natur unter ihrem analytischen Griff nicht zu einem toten Gehäuse geworden, entleert von allem Geheimnis und letztlich vom Leben, weil Natur nicht mehr als bloße Mechanik sei &#8211; von Physikern, Biogenetikern, Chemikern usw. restlos in ihre abstrakten Grundelemente zerlegt?</p>
<p><strong>Die kurzlebige Erschütterung durch die Quantenphysik</strong></p>
<p>Vor einem Jahrhundert sah es zeitweilig anders aus. Die in den ersten Jahrzehnten des zwanzigsten Jahrhunderts zu plötzlicher Prominenz aufgerückte Quantenphysik schien dem Ehrgeiz der totalen Enträtselung Einhalt zu gebieten. Der Nobelpreisträger Werner Heisenberg (1901 &#8211; 1976) wies das bis dahin geltende Grundprinzip der klassischen Physik zurück, wonach man jeder bestimmten Wirkung auch eine ganz bestimmte Ursache zurechnen könne. Eine Wirkung wie der Zerfall eines bestimmten Atoms besaß nur noch eine numerisch präzisierbare Tendenz auf bestimmte Anfangsbedingungen zu folgen. Heisenberg drückt das auf folgende Weise aus. „Zum Beispiel kann ein Radiumatom ein Alpha-Teilchen aussenden. Wenn die Aussendung des Alpha-Teilchens beobachtet wird, so fragen die Physiker &#8230;nicht mehr nach einem vorausgehenden Vorgang&#8230; Logisch wäre es durchaus möglich, nach einem solchen&#8230; Vorgang zu suchen&#8230; Warum hat sich nun die wissenschaftliche Methode&#8230; in dieser sehr grundlegenden Frage geändert? &#8230; Wenn wir den Grund dafür wissen wollen, warum das Alpha-Teilchen eben in diesem Augenblick emittiert wurde, so müssten wir dazu den mikroskopischen Zustand der ganzen Welt, zu der auch wir selbst gehören, kennen, und das ist sicher unmöglich.“</p>
<p>Man beachte, der Determinismus – die mechanistische Sicht auf Mensch und Natur – ist auch bei Heisenberg keineswegs aufgegeben. Er weicht nur einer vorsichtigeren Formulierung. Wir können den mikroskopischen Zustand der ganzen Welt unmöglich kennen. Nur weil uns solche Allwissenheit für immer versagt bleibt, werden wir die Mechanik des uns umgebenden Geschehens nie ganz entschlüsseln können. Würden wir jedoch nach Art einer unendlichen Intelligenz den gesamten Zustand der Welt vor Augen haben, dann dürften wir immer noch mit Einstein behaupten, dass Gott auch im Allerkleinsten nicht würfelt. Denn Gott würde wissen, warum ein bestimmtes Atom gerade jetzt zerfällt. Aus Heisenbergs philosophischen Bemerkungen zur Quantenphysik lässt sich keineswegs folgern, dass die moderne Physik der Natur die verlorene Freiheit zurückgegeben hätte. Eine derartige Rolle haben ihr nur Enthusiasten angedichtet, zu denen etwa Fritjof Capra gehört. Er und andere Vertreter des New Age schwärmten vom „Tao der Physik“: einem Weltbild der Freiheit, das sie aus der Quantenphysik ableiten wollten. Von solchen Bemühungen ist inzwischen kaum mehr die Rede. Obwohl die praktische Bedeutung der Quantenphysik in den vergangenen Jahrzehnten mit jedem Tag größer wurde, ist es um ihre vermeintlich revolutionären Auswirkungen auf unsere Weltsicht recht still geworden. Die Quantenphysik hat die Welt nur noch weiter enträtselt – das Geheimnis hat sie ihr nicht zurückgegeben.</p>
<p><strong>Bleibt der Mensch als Refugium der Freiheit?</strong></p>
<p>Nun, das war jetzt ein rasender Höhenflug über vierhundert Jahre Geschichte der wissenschaftlichen Natursicht. Wer aus solcher Entfernung nach unten schaut, sieht nichts mehr von Hügeln und Tälern. Die aber waren natürlich immer vorhanden. Deutsche Romantik und philosophischer Idealismus, Vitalismus und nicht zuletzt der Existenzialismus haben gegen das später so genannte „mechanistische Weltbild“ mit aller Kraft protestiert. Sie haben es hinterfragt, zu widerlegen oder mindestens zu relativieren versucht. Es bleibt aber die Frage, was von ihren Bemühungen übrig blieb? So gut wie nichts, muss man wohl sagen, wenn man sie im Hinblick auf ihre Nachhaltigkeit bewertet. Nach wie vor gehen die Naturwissenschaften davon aus, dass die Welt eine Maschine sei, die sie in ständig fortschreitendem Maße enträtseln. Ihr Erfolg, so wie er sich in der siegreichen wissenschaftlich-technischen Zivilisation unserer Zeit manifestiert, scheint ihnen recht zu geben.</p>
<p>Muss der Leser nicht umso mehr über den seltsamen Titel erstaunen? Freiheit und Wunder? Ja, wo findet man diese im Weltbild der Wissenschaften?</p>
<p>Oder sind hier etwa die Geisteswissenschaften gemeint? Diese haben es bekanntlich mit dem Menschen zu tun; Physik, Chemie, Astronomie, Atomphysik usw. dagegen ausschließlich mit der nicht-menschlichen Natur. Die empirischen Naturwissenschaften haben die Freiheit aus der Welt als Uhrwerk eskamotiert, aber läuft das zwangsläufig darauf hinaus, dass sie nun auch im Menschen keinen Platz mehr findet? Ist es den Wissenschaften vom Menschen gelungen, das tote Uhrwerk der Natur wieder mit Leben und Freiheit aufzufüllen?</p>
<p>In der frühesten Form seiner Wissenschaft von Mensch und Natur &#8211; zu der wir die verschiedenen Spielarten der Religion rechnen können &#8211; hat der Mensch vorzugsweise sich selbst eine Stellung an der Spitze der Schöpfung vorbehalten. Er hat sich über die Natur gestellt, wollte mehr und etwas Höheres sein als diese. Warum sollte er nicht Geheimnis, Spontaneität und Kreativität – die Attribute der Freiheit &#8211; für sich selbst reservieren, während er die Dinge der ihn umgebenden Natur dem Zwang der Gesetze ausliefert?</p>
<p>Auf diese Frage hat der brillante Spötter Voltaire (1794 &#8211; 1878) eine für die Folgezeit autoritative Antwort gegeben: „Es wäre schon recht erstaunlich“, schrieb der französische Aufklärer, „wenn alle Sterne ewiger Gesetzhaftigkeit unterliegen, während nur ein unscheinbares Tier von fünf Fuß Größe sich nach Belieben ihnen widersetzen darf, gerade wie seine Launen es ihm gebieten. Dann würde es dem Zufall gehorchen, aber man weiß, dass der Zufall ein Nichts ist. Dieses Wort haben wir erfunden, um die bekannte Wirkung für eine nicht bekannte Ursache zu bezeichnen.“ In diesem Diktum spiegelt Voltaire die Auffassung der Wissenschaften, wonach die Natur eine Einheit sei. Wäre es nicht unsinnig, sie in zwei Hälften zu zerlegen, so als würden die Gesetze der einen Hälfte nicht für die andere gelten? Das entspräche einem vorwissenschaftlichen Weltbild. Bertrand Russell, der sich auch hier auf den in der Wissenschaft vorherrschenden Standpunkt stellt, bleibt zwei Jahrhunderte später ganz auf der Linie des großen Franzosen. „Wir wissen nicht, auf welche Weise sie /die Einzeller/ sich am Anfang entwickelten, aber ihre Entstehung ist nicht geheimnisvoller als die der Heliumatome. Es gibt keinen Grund für die Vermutung, dass die lebende Materie Gesetzen unterworfen ist die verschieden von denen sind, welchen die nicht-lebende gehorcht. Und es gibt gute Gründe anzunehmen, dass theoretisch alles im Verhalten der lebenden Wesen in den Begriffen der Physik und der Chemie erklärt werden kann.“</p>
<p><strong>Bei Heidegger wird die Natur in zwei Hälften zerrissen</strong></p>
<p>Ungefähr zu derselben Zeit, als Russell dieses Statement abgab, hat ein existenzialistischer Denker, Martin Heidegger, das darin formulierte Weltbild gewaltsam durchbrochen. Er tat dies allerdings nicht wie der englische Philosoph in der Tradition rationalen Denkens, sondern indem er sich von diesem losriss und einfach einen Ukas erließ. Der Mensch sollte frei sein. Dem Verdikt der Wissenschaften stellt der deutsche Prophet sein Credo entgegen. Der Mensch entwerfe sich selber, kraft seiner Freiheit löse er sich aus den Zwängen der Natur, er überwinde sie durch seine Selbstbestimmung. Wohlgemerkt, nur der Mensch. Die Natur bleibt von dieser dekretierten Befreiung ausgenommen. Auch bei Heidegger bleibt sie, was sie für die Wissenschaft ist: ein sinnloses, mechanisches, im Prinzip nach Belieben manipulierbares Gegenüber. Heideggers Welt ist gespalten in eine unfreie Natur, die den Gesetzen verfallen ist, und einen freien Menschen, der sich in diese sinnlose Gesetzesmaschinerie geworfen findet. So geraten wir unversehens in ein vorwissenschaftliches Weltbild zurück. Während die Naturwissenschaften die Welt als unteilbares Ganzes sehen – ihre Gesetze gelten gleichermaßen für Steine, Wolken und lebende Wesen -, reißt Heidegger sie mit Gewalt auseinander. Hier die toten Dinge der Welt als Maschine und Uhrwerk, dort der heillos einsame Mensch, der als einziger die Freiheit zur Selbstbestimmung besitzt.</p>
<p>Das war – sieht man von der New-Age-Bewegung einmal ab &#8211; der bisher letzte Ausbruchsversuch aus dem „mechanistischen Weltbild“. Die Naturwissenschaften selbst haben davon so wenig Notiz genommen wie von der machtvollen Esoterikwelle, die seit Jahrzehnten rund um den Globus schwappt. Welch ein schroffer Gegensatz! Während überall auf der Welt Mathematiker, Ingenieure, Atomphysiker und Astronomen mit Formeln hantieren, um die Natur auf ein verlässliches Regelmaß zu reduzieren, besiedeln Esoteriker in heftiger Geschäftigkeit die kahle Maschinerie eines entzauberten Alls mit selbsterschaffenen Geistern, Gespenstern, Feen, Sandmännern und Dämonen. Dazu bedienen sie sich aller Versatzstücke, die sie aus dem kulturellen Nachlass sämtlicher Weltkulturen von der Edda bis zum tibetanischen Totenbuch schöpfen. Während die einen unablässig entzaubern, sind die anderen mit künstlicher Verzauberung beschäftigt. Verzweifelt und mit zweifelhaften Mitteln bemühen sie sich, einer unter den Händen der Wissenschaftler zum mechanischen Spielzeug erstarrten Welt Leben und Atem einzuhauchen.</p>
<p>&gt; <strong></strong><strong><a title="“Freiheit und Wunder, Teil 2 – Beschwörung von Freiheit und Wunder” bearbeiten" href="http://www.felderfilm.de/blog/zufall/?p=615" target="_self">Freiheit und Wunder, Teil 2 – Beschwörung von Freiheit und Wunder</a></strong></p>
<p>http://www.felderfilm.de/blog/zufall/?p=615</p>
<p>©14.11.2011 &#8211; Gero Jenner</p>
<p>http://www.gerojenner.com/portal/gerojenner.com/Freiheit_und_Wunder.html</p>
<p align="left"><a class="tt" href="http://twitter.com/home/?status=Freiheit+und+Wunder%2C+Teil+1%2F3+%E2%80%93+400+Jahre+Dogma+und+Selbstverleugnung+http://tinyurl.com/ct9ucz2" title=" "><img class="nothumb" src="http://www.felderfilm.de/blog/zufall/wp-content/plugins/tweet-this/icons/tt-twitter-micro3.png" alt="Post to Twitter" /></a> <a class="tt" href="http://twitter.com/home/?status=Freiheit+und+Wunder%2C+Teil+1%2F3+%E2%80%93+400+Jahre+Dogma+und+Selbstverleugnung+http://tinyurl.com/ct9ucz2" title=" "> </a> <a class="tt" href="http://www.facebook.com/share.php?u=http://www.felderfilm.de/blog/zufall/?p=616&amp;t=Freiheit+und+Wunder%2C+Teil+1%2F3+%E2%80%93+400+Jahre+Dogma+und+Selbstverleugnung" title="Post to Facebook"><img class="nothumb" src="http://www.felderfilm.de/blog/zufall/wp-content/plugins/tweet-this/icons/tt-facebook-micro3.png" alt="Post to Facebook" /></a> <a class="tt" href="http://www.myspace.com/Modules/PostTo/Pages/?l=3&amp;u=http://www.felderfilm.de/blog/zufall/?p=616&amp;t=Freiheit+und+Wunder%2C+Teil+1%2F3+%E2%80%93+400+Jahre+Dogma+und+Selbstverleugnung&amp;c=%3Cp%3EPowered+by+%3Ca+href%3D%22http%3A%2F%2Frichardxthripp.thripp.com%2Ftweet-this%22%3ETweet+This%3C%2Fa%3E%3C%2Fp%3E" title="Post to MySpace"><img class="nothumb" src="http://www.felderfilm.de/blog/zufall/wp-content/plugins/tweet-this/icons/tt-myspace-micro3.png" alt="Post to MySpace" /></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>Sind Schicksal und Zufall Gegensätze?</title>
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		<pubDate>Wed, 21 Sep 2011 09:18:33 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Kausalität]]></category>
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		<description><![CDATA[Gibt es einen Unterschied zwischen Schicksal und Zufall? Als Jugendlicher habe ich mich zu dieser Frage in hitzige Diskussionen verstrickt mit Gleichaltrigen. Je älter ich werde, umso weniger sehe ich da eine Differenz.
Ist es möglich, dass beide Begriffe dasselbe Erleben bezeichnen? Wenn ja, warum dann die Meinung, sie seien Gegensätze?
«Die Quantenmechanik ist sehr Achtung gebietend. [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Gibt es einen Unterschied zwischen Schicksal und Zufall? Als Jugendlicher habe ich mich zu dieser Frage in hitzige Diskussionen verstrickt mit Gleichaltrigen. Je älter ich werde, umso weniger sehe ich da eine Differenz.<br />
Ist es möglich, dass beide Begriffe dasselbe Erleben bezeichnen? Wenn ja, warum dann die Meinung, sie seien Gegensätze?</p>
<p>«Die Quantenmechanik ist sehr Achtung gebietend. Aber eine innere Stimme sagt mir, dass das noch nicht der wahre Jakob ist. Die Theorie liefert viel, aber dem Geheimnis des Alten bringt sie uns kaum näher. Jedenfalls bin ich überzeugt, dass der Alte nicht würfelt», schrieb Albert Einstein 1926 an Max Born. Bei diesen Sätzen handelt es sich nicht etwa um ein religiöses Bekenntnis Einsteins, sondern um den Ausdruck eines Unbehagens gegenüber einer neuen physikalischen Theorie, in welcher Zufall und Wahrscheinlichkeit einen Platz gefunden hatten. Damit hält Anfang des 20. Jahrhunderts eine Terminologie und eine Auffassung von Kausalität in der Physik Einzug, an die man sich in den Sozialwissenschaften bereits spätestens seit Mitte des 19. Jahrhunderts gewöhnt hatte, als man Gesetzmässigkeiten mithilfe der Statistik formulierte.</p>
<p>In einer Welt klassischer mechanischer (newtonscher) Kausalität liegt die Zukunft eigentlich immer schon in der Gegenwart eingeschlossen. Jedes Ereignis und jeder Zustand ist durch vorherige Bedingungen vorherbestimmt, und einzig die Komplexität dieser Bedingungen hindert uns daran, die Zukunft vollständig vorhersagen zu können. Die Zukunft ist das künftige Schicksal der Vergangenheit, Zufälle haben darin keinen Platz. Wenn uns dennoch mancherlei als zufällig erscheint, so liegt dies einzig an der Unzulänglichkeit unserer Auffassung. Diese seit dem 17. Jahrhundert bewährte Weltsicht änderte sich mit der statistischen Formulierung der Kausalität. Zufall und Schicksal sind im Rahmen von Wahrscheinlichkeiten nicht mehr unvereinbar. Gott mag zwar würfeln und jedes einzelne Ergebnis, dass der Würfel zeigt, ist dann zufällig (es sei denn, er würfelte mit gezinkten Würfeln); aber dass er bis ans Ende dieser Welt stets nur Sechser würfelt, ist extrem unwahrscheinlich.</p>
<p>Wenn wir heute über unser (künftiges) Schicksal nachdenken und es in Verbindung mit unserer Vergangenheit bringen, dann denken wir in Wahrscheinlichkeiten. Es ist sehr unwahrscheinlich, dass wir jemals im Lotto gewinnen werden, aber natürlich nicht auszuschliessen. Und nicht nur unser Glück, sondern auch unser Unglück ist von Wahrscheinlichkeiten geprägt. Es ist unser Schicksal geworden, dass die Zufälle unseres Lebens Punkte auf der Kurve der Normalverteilung sind. Ausrutscher sind möglich, aber «nicht normal».</p>
<p>Peter Schneider, Basler Zeitung, 21.09.2011 &#8211; http://bazonline.ch</p>
<p align="left"><a class="tt" href="http://twitter.com/home/?status=Sind+Schicksal+und+Zufall+Gegens%C3%A4tze%3F+http://tinyurl.com/3zg66zo" title=" "><img class="nothumb" src="http://www.felderfilm.de/blog/zufall/wp-content/plugins/tweet-this/icons/tt-twitter-micro3.png" alt="Post to Twitter" /></a> <a class="tt" href="http://twitter.com/home/?status=Sind+Schicksal+und+Zufall+Gegens%C3%A4tze%3F+http://tinyurl.com/3zg66zo" title=" "> </a> <a class="tt" href="http://www.facebook.com/share.php?u=http://www.felderfilm.de/blog/zufall/?p=587&amp;t=Sind+Schicksal+und+Zufall+Gegens%C3%A4tze%3F" title="Post to Facebook"><img class="nothumb" src="http://www.felderfilm.de/blog/zufall/wp-content/plugins/tweet-this/icons/tt-facebook-micro3.png" alt="Post to Facebook" /></a> <a class="tt" href="http://www.myspace.com/Modules/PostTo/Pages/?l=3&amp;u=http://www.felderfilm.de/blog/zufall/?p=587&amp;t=Sind+Schicksal+und+Zufall+Gegens%C3%A4tze%3F&amp;c=%3Cp%3EPowered+by+%3Ca+href%3D%22http%3A%2F%2Frichardxthripp.thripp.com%2Ftweet-this%22%3ETweet+This%3C%2Fa%3E%3C%2Fp%3E" title="Post to MySpace"><img class="nothumb" src="http://www.felderfilm.de/blog/zufall/wp-content/plugins/tweet-this/icons/tt-myspace-micro3.png" alt="Post to MySpace" /></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>„Hazard” als Bedingung für Freiheit</title>
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		<pubDate>Wed, 14 Sep 2011 13:53:22 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Determinismus]]></category>
		<category><![CDATA[freier Wille]]></category>
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		<description><![CDATA[Dem englischen Mathematiker und Philosophen John G.Bennet zufolge macht erst die Möglichkeit des Versagens die Dinge „wirklich“. So ist echte Freiheit nach Bennett nur in nicht-determinierten Lebenssituationen denkbar,  deren möglicher Ausgang also tatsächlich offen steht. Diese Fälle, deren  besondere Eigenart er mit dem Vorhandensein von &#8220;Hazard&#8221; (englisch für  Gefährdung, Gefahr, Gefahrenmoment, Risiko, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Dem englischen Mathematiker und Philosophen John G.Bennet zufolge macht erst die Möglichkeit des Versagens die Dinge „wirklich“. So ist echte Freiheit nach Bennett nur in nicht-determinierten Lebenssituationen denkbar,  deren möglicher Ausgang also tatsächlich offen steht. Diese Fälle, deren  besondere Eigenart er mit dem Vorhandensein von &#8220;Hazard&#8221; (englisch für  Gefährdung, Gefahr, Gefahrenmoment, Risiko, Wagnis, Zufall) beschreibt,  ermöglichen aufgrund dieses nicht-determinierten Moments dem Individuum  eine tatsächliche freie Willensentscheidung – beinhalten also eine  wirkliche Unsicherheit.</p>
<p>In seinem Hauptwerk <em>The Dramatic Universe</em> behauptet Bennett,  dass solche Situationen nicht auf die menschliche Wahrnehmung begrenzt  seien, sondern dass Momente des Hazards ganz konkret auf physikalischer  Ebene zur Grundbedingung des Universums gehören (was auch interessante  Querverweise zu Erkenntnissen der modernen Quantenphysik eröffnet). Es  gibt keinen perfekten Zustand, der von diesem Zusammenspiel von  Unsicherheit und Wille (bzw. Naturgesetzen) frei wäre, da Hazard eine  „Grundkonstante“ der Wirklichkeit darstellt.</p>
<p align="left"><a class="tt" href="http://twitter.com/home/?status=%E2%80%9EHazard%E2%80%9D+als+Bedingung+f%C3%BCr+Freiheit+http://tinyurl.com/5uhm74m" title=" "><img class="nothumb" src="http://www.felderfilm.de/blog/zufall/wp-content/plugins/tweet-this/icons/tt-twitter-micro3.png" alt="Post to Twitter" /></a> <a class="tt" href="http://twitter.com/home/?status=%E2%80%9EHazard%E2%80%9D+als+Bedingung+f%C3%BCr+Freiheit+http://tinyurl.com/5uhm74m" title=" "> </a> <a class="tt" href="http://www.facebook.com/share.php?u=http://www.felderfilm.de/blog/zufall/?p=585&amp;t=%E2%80%9EHazard%E2%80%9D+als+Bedingung+f%C3%BCr+Freiheit" title="Post to Facebook"><img class="nothumb" src="http://www.felderfilm.de/blog/zufall/wp-content/plugins/tweet-this/icons/tt-facebook-micro3.png" alt="Post to Facebook" /></a> <a class="tt" href="http://www.myspace.com/Modules/PostTo/Pages/?l=3&amp;u=http://www.felderfilm.de/blog/zufall/?p=585&amp;t=%E2%80%9EHazard%E2%80%9D+als+Bedingung+f%C3%BCr+Freiheit&amp;c=%3Cp%3EPowered+by+%3Ca+href%3D%22http%3A%2F%2Frichardxthripp.thripp.com%2Ftweet-this%22%3ETweet+This%3C%2Fa%3E%3C%2Fp%3E" title="Post to MySpace"><img class="nothumb" src="http://www.felderfilm.de/blog/zufall/wp-content/plugins/tweet-this/icons/tt-myspace-micro3.png" alt="Post to MySpace" /></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>Science und Fiction im Widerspruch?</title>
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		<pubDate>Mon, 13 Jun 2011 20:18:23 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Dr. Johannes Hagel]]></category>
		<category><![CDATA[fiction]]></category>
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		<description><![CDATA[Die Darstellung grenzwissenschaftlicher Forschung bewegt sich seit jeher  im Spannungsfeld der unterschiedlichen Erzähltraditionen, die weit  älter sind als Science-Fiction. Die Faust-Figur z.B. gilt als  Wissenschaftlertypus, der gesellschaftliche und weltanschauliche Grenzen  überschreitet und schließlich die Geister nicht mehr los wird, die er  rief. Dr.Strangelove, Dr.No oder Dr.Frankenstein verkörpern in Folge  [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Die Darstellung grenzwissenschaftlicher Forschung bewegt sich seit jeher  im Spannungsfeld der unterschiedlichen Erzähltraditionen, die weit  älter sind als Science-Fiction. Die Faust-Figur z.B. gilt als  Wissenschaftlertypus, der gesellschaftliche und weltanschauliche Grenzen  überschreitet und schließlich die Geister nicht mehr los wird, die er  rief. Dr.Strangelove, Dr.No oder Dr.Frankenstein verkörpern in Folge  dieses wahnsinnig-geniale, aber auch bösartige Image.</p>
<p>&#8220;Alle untersuchten Filme setzen auf erstaunlich wenige, stets ähnliche  Wissenschaftlertypen, die sich seit Beginn der Filmgeschichte quasi  nicht verändert haben&#8221;, sagt die Medienforscherin Petra Pansegrau vom  Institut für Wissenschafts- und Technikforschung der Universität  Bielefeld. Sie untersuchte im Rahmen einer Studie mehr als 200 Filme, in  denen Wissenschaft eine Rolle spielt. Fazit der Studie:  Nationenübergreifend gibt es drei Typen von Film-Forschern: den  Weltretter und den verrückten Professor, der die Selbstkontrolle  verliert, sowie den machtgierigen, der die Weltherrschaft an sich reißen  will.</p>
<p>Das begrenzte Charakterspektrum üblicher Science-Fiction-Filme mit  schwarz-weiß genormten Wissenschaftler-Typen hat jedoch mit der neuen  Wissenschaftsdarstellung im Super8-Cinemascope-Streifen &#8220;Prinzip Zufall&#8221;  kaum etwas gemein. So wie die meisten realen Wissenschaftler, forscht  auch der Hauptdarsteller des Films, Dr. Johannes Hagel eher unauffällig  und rettet die Welt, wenn überhaupt, höchstens im Verborgenen. Der Film  &#8220;Prinzip Zufall&#8221; erfindet damit den vierten und realistischsten Typus  des Film-Wissenschaftlers, dessen Merkmale soziale Integration,  ausgeprägtes Verantwortungsgefühl und Altruismus bilden.</p>
<p><object classid="clsid:d27cdb6e-ae6d-11cf-96b8-444553540000" width="560" height="315" codebase="http://download.macromedia.com/pub/shockwave/cabs/flash/swflash.cab#version=6,0,40,0"><param name="allowFullScreen" value="true" /><param name="allowscriptaccess" value="always" /><param name="src" value="http://www.youtube.com/v/jVFH24FzhN4?version=3&amp;hl=de_DE&amp;rel=0" /><param name="allowfullscreen" value="true" /><embed type="application/x-shockwave-flash" width="560" height="315" src="http://www.youtube.com/v/jVFH24FzhN4?version=3&amp;hl=de_DE&amp;rel=0" allowscriptaccess="always" allowfullscreen="true"></embed></object></p>
<p>from <a href="http://vimeo.com/user7429166">artagent40233</a> on <a href="http://vimeo.com">Vimeo</a>.</p>
<p align="left"><a class="tt" href="http://twitter.com/home/?status=Science+und+Fiction+im+Widerspruch%3F+http://tinyurl.com/3pydp8j" title=" "><img class="nothumb" src="http://www.felderfilm.de/blog/zufall/wp-content/plugins/tweet-this/icons/tt-twitter-micro3.png" alt="Post to Twitter" /></a> <a class="tt" href="http://twitter.com/home/?status=Science+und+Fiction+im+Widerspruch%3F+http://tinyurl.com/3pydp8j" title=" "> </a> <a class="tt" href="http://www.facebook.com/share.php?u=http://www.felderfilm.de/blog/zufall/?p=524&amp;t=Science+und+Fiction+im+Widerspruch%3F" title="Post to Facebook"><img class="nothumb" src="http://www.felderfilm.de/blog/zufall/wp-content/plugins/tweet-this/icons/tt-facebook-micro3.png" alt="Post to Facebook" /></a> <a class="tt" href="http://www.myspace.com/Modules/PostTo/Pages/?l=3&amp;u=http://www.felderfilm.de/blog/zufall/?p=524&amp;t=Science+und+Fiction+im+Widerspruch%3F&amp;c=%3Cp%3EPowered+by+%3Ca+href%3D%22http%3A%2F%2Frichardxthripp.thripp.com%2Ftweet-this%22%3ETweet+This%3C%2Fa%3E%3C%2Fp%3E" title="Post to MySpace"><img class="nothumb" src="http://www.felderfilm.de/blog/zufall/wp-content/plugins/tweet-this/icons/tt-myspace-micro3.png" alt="Post to MySpace" /></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>Science &amp; Entertainment Exchange</title>
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		<pubDate>Sun, 06 Mar 2011 19:10:26 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[fiction]]></category>
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		<category><![CDATA[science]]></category>

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		<description><![CDATA[The Science &#38; Entertainment Exchange is a program of the National Academy of Sciences that provides entertainment industry professionals with access to top scientists and engineers to help bring the reality of cutting-edge science to creative and engaging storylines.
read more: http://www.scienceandentertainmentexchange.org/
    ]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>The Science &amp; Entertainment Exchange is a program of the National Academy of Sciences that provides entertainment industry professionals with access to top scientists and engineers to help bring the reality of cutting-edge science to creative and engaging storylines.</p>
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