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	<title>Prinzip Zufall &#187; Natur</title>
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	<description>Kunst und Parapsychologie</description>
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		<title>Was ist Freiheit?</title>
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		<pubDate>Sat, 28 Jan 2012 10:58:52 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Determinismus]]></category>
		<category><![CDATA[Freiheit]]></category>
		<category><![CDATA[Natur]]></category>
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		<description><![CDATA[Alles ist sie für das  einzelne Individuum. Jede Einschränkung unserer persönlichen Freiheit  empfinden wir als unerträglichen Zwang. Deshalb zählt stets der  Freiheitsentzug zu den höchsten von Gesellschaften verhängten Strafen.  Umso merkwürdiger muss es erscheinen, dass die Freiheit immer wieder  unter den Beschuss der Weltanschauung  geriet. Man erklärte sie zur [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Alles ist sie für das  einzelne Individuum. Jede Einschränkung unserer persönlichen Freiheit  empfinden wir als unerträglichen Zwang. Deshalb zählt stets der  Freiheitsentzug zu den höchsten von Gesellschaften verhängten Strafen.  Umso merkwürdiger muss es erscheinen, dass die Freiheit immer wieder  unter den Beschuss der Weltanschauung  geriet. Man erklärte sie zur subjektiven Illusion, zur Täuschung einer  unaufgeklärten Erkenntnis, zur Falle, in die der Mensch durch  oberflächliches Alltagsdenken gerät.</p>
<p>Am weitesten in die  Vergangenheit zurück reicht die Aushöhlung des Freiheitsbegriffes durch  die Theologie. Hier ergab sie sich aus der Allwissenheit, welche  Kirchenfürsten von Augustin bis Luther und Calvin zu einem  unverzichtbaren Attribut Gottes erklärten. Allwissenheit besagt, dass  IHM die ganz Zukunft der Welt und damit auch aller menschlichen Denk-  und Handlungsvorgänge schon immer bekannt sei. Gegen dieses Postulat  ließ sich menschliche Freiheit nur retten, wenn man sich mit Tricks und  allerlei gewundenen Denkmanövern behalf. Freilich hat sich unsere  säkularisierte Zeit aus diesen theologischen Spitzfindigkeiten wenig  gemacht und das ganze Problem gleichgültig ad acta gelegt.</p>
<p><strong>Viel radikaler wird die Leugnung der Freiheit in den Naturwissenschaften</strong></p>
<p>Doch die Freude darüber  hält sich in Grenzen, denn mit dem Aufkommen der Naturwissenschaften  seit Beginn der europäischen Neuzeit feiert die weltanschauliche  Demontage der Freiheit fröhliche Auferstehung. Nun sind es die  Wissenschaftler, welche die gesamte Natur enträtseln und erklären  wollen. Deshalb erlassen sie seit vierhundert Jahren den Machtspruch,  dass alles in der Natur mit natürlichen Dingen zugehe,  sprich, gemäß einer universalen und ausnahmslosen Gesetzmäßigkeit, die  es, wie der französische Mathematiker Laplace auf eine Frage Napoleons  formulierte, einer überlegenen Intelligenz erlauben würde, aus der  gegenwärtigen Konstellation der kleinsten Bausteine des Universums alle  künftigen Arrangements, d.h. die ganze Zukunft, abzuleiten und damit  vorauszusehen.</p>
<p>Das war im Grunde eine  Fortsetzung des theologischen Credos von der in Gottes Allwissenheit  begründeten universalen Unfreiheit. Man hat ihren Ursprung nur aus dem  Himmel auf die Erde versetzt. Nicht mehr Gott, sondern der Mensch (als  Wissenschaftler) nimmt nun Allwissenheit für sich in Anspruch. Der  Gewinn, den sich die Naturwissenschaften von einer universalen  Gültigkeit des „Kausalitätsprinzips“ versprechen, liegt auf der Hand. Da  dieses Prinzip die Freiheit grundsätzlich ausschließt, wird die Welt  für die Naturwissenschaften zur in Raum und Zeit zur Gänze berechenbar.  Auch wenn ihre Erklärungen de facto höchst unvollständig sind und auch  bleiben werden, weil Menschen eben niemals über die umfassende  Intelligenz des laplaceschen Dämons verfügen, sind doch prinzipiell  der Enträtselung der gesamten Natur durch die Wissenschaften keine  Grenzen gesetzt. Voller Selbstgewissheit und Optimismus haben die  Wissenschaftler das Erbe der Theologen angetreten und übernommen.</p>
<p>Doch in ihrem  selbstbewussten Vorgehen blieb ihnen verborgen (und das trifft auch auf  die Philosophen in ihrem Gefolge zu), dass sie damit in eine Falle  tappten: die Falle eines fundamentalen Widerspruchs. Der Sinn der  meisten Gesetze, welche die Naturwissenschaften ermitteln, besteht ja in  deren praktischer Anwendbarkeit. Ihre Universalität wird erst dadurch  bewiesen, dass sie sich im Experiment zu beliebigen Zeiten und an  beliebigen Orten wiederholen lassen. Mit anderen Worten, sie beruht  darauf, dass eine gesetzmäßige Verknüpfung mit den dem Experiment  jeweils vorausgehenden Raumzeitpunkten kategorisch ausgeschlossen und damit Freiheit ebenso kategorisch vorausgesetzt wird. Die Naturwissenschaftler und ihre philosophischen Exegeten haben schlichtweg übersehen, dass  sie in einem Atemzug Freiheit zu ihrer notwendigen Voraussetzung  erheben und sie andererseits mit gleicher Entschiedenheit leugnen.</p>
<p><strong>Die Attacke der Neurologen</strong></p>
<p>Nur so ist zu erklären,  dass Freiheit in ihrem Weltbild nach wie vor ein umkämpftes Terrain ist,  so als könnten wir uns eine Wirklichkeit denken, in der es Freiheit  nicht gäbe. Und dabei spielen seit neuestem die Humanwissenschaftler,  genauer gesagt Neurologen, eine herausragende Rolle. Sie glauben ein für  alle Mal den empirischen Beweis zu erbringen, dass menschliche  Willensakte unmöglich als frei gelten können. Unser Wollen würde nämlich  stets um Millisekunden später erfolgen als die diesbezüglichen  Handlungen. Der „Willensakt tritt in der Tat auf, nachdem  das Gehirn bereits entschieden hat, welche Bewegung es ausführen wird.“  Für den prominenten Neurobiologen Gerhard Roth steht damit fest, dass  das Gefühl der Probanden, eine freie Entscheidung getroffen zu haben,  aus wissenschaftlicher Sicht als bloße Illusion zu verwerfen sei. „Wir  tun nicht, was wir wollen, sondern wir wollen, was wir tun“, das ist  auch die Überzeugung des Psychologen Wolfgang Prinz. Der Physiologe Wolf  Singer pflichtet ihm darin bei. In der Überschrift eines FAZ-Artikels  vom 8. Januar 2004 gibt Wolfgang Singer die Stoßrichtung seiner  Forschungen an: „Verschaltungen legen uns fest: Wir sollten aufhören von  Freiheit zu reden“.</p>
<p><strong>Das Experiment von Benjamin Libet</strong></p>
<p>Worin besteht nun das  berühmte Experiment, das in den Augen führender Neurologen unser  bisheriges Weltbild von Grund auf erschüttert? Der angebliche Beweis  gegen die Freiheit des Menschen wurde von Benjamin Libet (1916 &#8211; 2007)  in die Wissenschaft eingebracht. In seiner berühmten Versuchsanordnung  maß Libet die zeitliche Abfolge eines Willensaktes und einer von diesem  ausgelösten Muskelaktivität. Es zeigte sich in Libets Experiment, dass  das Bereitschaftspotential im Durchschnitt 550-350 Millisekunden dem  Willensentschluss vorausging, niemals mit  ihm zeitlich zusammenfiel oder ihm etwa folgte. Einfacher gesagt,  handelt der Mensch zuerst und wird sich erst dann bewusst, dieses  Handeln zu wollen, zu beabsichtigen oder hervorzurufen – wie immer man  diesen geistigen Vorgang auch nennen mag.</p>
<p><strong>Libet geht weiter als alle anderen Wissenschaftler vor ihm</strong></p>
<p>In seiner Aussage geht das  Experiment von Benjamin Libet viel weiter als es bei erstem Hinsehen  scheint. Es hat zwar an sich nichts mit der von den Naturwissenschaften  seit dem 17. Jahrhundert postulierten, universellen Kausalität zu tun.  Es vertritt eine viel bescheidenere Position, da es sich nur mit  menschlichen Willensakten befasst. In Wahrheit aber dehnt sich seine  Geltung gleichsam von selbst ins Universale aus. Sollte es nämlich wahr  sein, dass selbst der Mensch nachweisbar unfrei ist, dann brauchen wir  keine weiteren Gedanken mehr an die Natur zu verschwenden. Sie kann uns  vielmehr völlig gleichgültig sein, denn in Wahrheit geht es ja immer und vor allem um unsere eigene, also um die menschliche Freiheit.  Hat Libet Recht, dann könnte die Arbeitshypothese der Wissenschaften  als gesicherte Erkenntnis verstanden werden. Wir sind dann bis zu jener  letzten Bastion vorgedrungen, wo Freiheit von jeher mit größter  Heftigkeit verteidigt wurde: dem Menschen. Und diese Bastion ist  gefallen.</p>
<p>Damit scheint sich nach  zweitausend Jahren theologischer und vierhundert Jahren  wissenschaftlicher Diskussion der Kreis zu schließen. Das theologische  Dogma von der Unfreiheit des Menschen aufgrund von Gottes Allwissenheit  und das wissenschaftliche Credo von seiner Unfreiheit aufgrund der  Kausalgesetze scheinen durch die jüngsten Ergebnisse der Hirnforschung  bestätigt.</p>
<p><strong>Zunächst die Blindheit gegenüber den eigenen Voraussetzungen</strong></p>
<p>Ein Dogma und eine  Arbeitshypothese scheinen bestätigt – in Wirklichkeit sind sie es  keinesfalls. Die Kritik ergibt sich einerseits aus dem schon zuvor  Gesagten. Es muss auch in diesem Fall überraschen, dass die Hirnforscher  für den Widerspruch blind sind, den sie mit ihren Experimenten selbst  demonstrieren. Das libetsche Experiment können sie beliebig oft an  beliebigen Plätzen wiederholen &#8211; und erbringen mit dieser willkürlichen Reproduzierbarkeit den Beweis, dass ihr Entschluss durch den vorausgehenden Raumzeitpunkt auf keinen Fall  determiniert und damit das bloße Resultat einer entsprechenden  zerebralen Verdrahtung sein kann. Die Neurologen müssten sich darüber  hinaus auch eingestehen, dass eine solche zerebrale Determination – wenn  es sie wirklich gäbe – dem Experiment allen Sinn nehmen würde, weil ja die zu demonstrierende Wahrheit in dem Augenblick keine Wahrheit mehr ist,  da wir zu ihr – wie der Neurophysiologe Wolf Singer behauptet &#8211;  schlicht und einfach „verschaltet“ sind. Wahrheit und Lüge sind in  diesem Fall ununterscheidbar. Sind wir zu dem jeweiligen Ergebnis  verdammt und verurteilt, gibt es kein wahr oder falsch – und damit gibt  es auch keine Wissenschaft, deren Ergebnisse diesen beiden Kriterien  unterliegen.</p>
<p><strong>Warum herrscht Stille um ein sensationelles Ergebnis der Forschung?</strong></p>
<p>Aber bleibt nicht trotzdem das experimentell gesicherte Faktum bestehen, dass Menschen erst handeln und danach diese Handlung wollen?  Wenn es stimmt, dass die menschliche Unfreiheit damit zum ersten Mal in  der Geschichte experimentell bewiesen wurde, stößt man zugleich auf ein  merkwürdiges Rätsel. Warum löste dieser Beweis keine weltweite  Erschütterung aus, sondern beschäftigt nur eine Handvoll von Neurologen?  Da wird – so scheint es zumindest &#8211; ein Jahrtausendproblem auf  erstaunliche einfache Art gelöst, und kaum jemand scheint dies  wahrzunehmen, geschweige denn, sich ernsthaft dafür zu interessieren!</p>
<p>Einmal mehr zeigt sich  hier, dass die Menschen Entdeckungen danach bewerten, wie sehr sie ihren  Bedürfnissen und Sehnsüchten entsprechen. Die Menschen des 20. und 21.  Jahrhunderts sehnten sich, und sie sehnen sich mehr denn je nach einer  Befreiung aus dem Gefängnis der Natur als Maschine. Sie haben die  Quantenphysik begrüßt, weil sie glaubten, nun hätten die Physiker selbst  eine Öffnung in das stählerne Gebäude der wissenschaftlichen  Naturerkenntnis gesprengt. Sie hoffen auf die Wiederverzauberung, die  Wiederbeseelung der zum toten Ding erklärten Natur. Aber sie wollen  nichts davon wissen, dass jetzt sogar der Mensch – und das noch dazu  kraft eines anscheinend unanfechtbaren Beweises &#8211; zur Maschine gemacht  werden soll. Libets Entdeckung erklärt menschliches Wollen zu einem  Epiphänomen, einem illusionären Beiwerk. Erst ist die Handlung da, dann  leistet sich die Natur den ziemlich überflüssigen Luxus, uns  vorzugaukeln, dass wir es sind, die sie in Gang setzen wollten.  Wäre Libet im Recht, dann liefe seine Entdeckung auf einen endgültigen  Todesstoß für die Idee der Freiheit hinaus. Wir sind wieder da, wo  Spinoza, Descartes, Voltaire, Holbach, Büchner, Russell – kurz das  europäische Abendland seit nunmehr vierhundert Jahren &#8211; schon immer  waren: bei einem gegen unsere Gefühle und unser Denken gleichermaßen  unbarmherzigen Determinismus.</p>
<p><strong>Warum Libet irrte</strong></p>
<p>Doch wie verhält es sich in  Wirklichkeit mit diesem „Beweis“? Ist er schlüssig, liefert er uns  wirklich eine endgültige Antwort? Wird der aufgrund solcher  Forschungsergebnisse gezogene Schluss von der Unfreiheit des  menschlichen Willens nun unausweichlich?</p>
<p>Der aufgrund des libetschen  Experiments gezogene Schluss ist keineswegs unausweichlich. Obwohl ich  kein Neurologe bin, melde ich &#8211; ganz im Sinne von David Hume – meinen  entschiedenen Widerspruch an. Und zwar nicht deswegen, weil ich Libets  empirische Resultate für anfechtbar halte oder die Versuchsanordnung als  fehlerhaft einschätze. Eine solche Kritik steht nur dem Spezialisten  zu. Ich meine nur, dass sich aus ihnen ganz andere Folgerungen ableiten  lassen.</p>
<p>Mein Einwand ist von  schlichter und elementarer Art – so schlicht wie damals der Einwand von  Hume gegen das Kausalitätsprinzip. Seltsamerweise sind weder Libet  selbst noch die ihm folgenden Verfechter der Unfreiheit auf den recht  nahe liegenden Gedanken gekommen. Wenn beides, der subjektiv  wahrgenommene Willensakt (z.B. der Entschluss: „Ich will jetzt meine  Hand aufheben“) und seine objektive Manifestation (z.B. die  entsprechende Handbewegung) nur die verschiedenen Erscheinungsformen  einer gleichen, aber tiefer liegenden Ursache sind, so ist mit den Ergebnissen von Libet überhaupt nichts bewiesen.</p>
<p>Sie sind aber  offensichtlich die Erscheinungsformen einer tiefer liegenden Ursache.  Jeder von uns weiß ja um diese tiefer liegende Schicht. Wie oft liegt  uns zum Beispiel ein Wort auf der Zunge.  Wir wissen, dass es in uns vorhanden ist – einige Minuten später fällt  es uns plötzlich ein –, aber gerade in diesem Moment gelingt es uns  nicht, das Wort aus dem Unbewussten in unser Bewusstsein emporzuladen.  Derartige Fälle weisen uns unmissverständlich auf die Koexistenz zweier unterschiedlicher Dimensionen  hin. Bevor wir überhaupt etwas in voller Bewusstheit wollen, ist in  unserem Unbewussten schon eine entsprechende Regung vorhanden. Ja, das Bewusstsein setzt diese unbewusste Regung voraus  – nicht anders als das ausgesprochene Wort jenen Zustand, bei dem es  uns nur auf der Zunge liegt, aber wir es noch nicht ins Licht des  Bewusstseins zu heben vermochten. Sowohl die Handlung selbst wie der  bewusste Entschluss zu ihr ruhen demnach auf einem gemeinsamen  Untergrund – um dessen Existenz wir zwar wissen, den wir aber nicht  weiter beschreiben und schon gar nicht im Experiment messen können.  Dieses nicht mehr fassbare X, diese vorbewusste Stufe, kann man als den  „nicht-manifesten Willen“ umschreiben oder ihm irgendwelche anderen  Bezeichnungen geben.</p>
<p>Wenn dies so ist, dann verliert die zeitliche Abfolge auf der manifesten Ebene  alle Bedeutung im Hinblick auf das Problem menschlicher Freiheit. Der  vorbewusste Anstoß löst die manifeste Handlung um Millisekunden früher  aus als das manifeste Bewusstsein vom eigenen Wollen. Das ist alles. Die  Tatsache menschlicher Freiheit wird durch das Experiment von Libet, so  genial es ersonnen ist, durchaus nicht widerlegt.</p>
<p><strong>Was ist Freiheit?</strong></p>
<p>Doch was ist Freiheit, wo  beginnt sie, wo kommt sie her, wo hört sie auf? Diese Frage werden wir  niemals erschöpfend beantworten können. Denn was bringt mich etwa dazu,  im gegenwärtigen Moment diese und keine anderen Gedanken zu entwickeln?  Mir selbst erscheint das gegenwärtige Geschehen als sinnvoll, weil ich  selbst ihm diesen Sinn verleihe. Aus der Sicht eines anderen Wesens,  sagen wir einer Katze oder eines Hundes, die mich dabei beobachten,  drückt sich darin der bloße Zufall aus. Freiheit ist meine eigene und die allgemein menschliche Innensicht  auf den Zufall, schon das Handeln eines anderen Menschen muss mir nicht  unbedingt als sinnvoll erscheinen, in diesem Fall vermag ich auch darin  nur den Zufall zu sehen.</p>
<p>Freiheit ist das Feld meiner je eigenen Seinsgestaltung. Wenn wir die Freiheit wozu von der Freiheit wovon  unterscheiden, halten wir uns an den Sinn, den sie für unser tägliches  Handeln besitzt, doch über ihren gemeinsamen Urgrund mit der Freiheit in  der Natur, die wir zu Unrecht in dem schäbigen Begriff des Zufalls  erfassen, haben wir damit nichts gesagt. Bekanntlich schlägt die  Naturwissenschaft alles, was sie nicht durch Gesetze zu erklären vermag,  dem Reich des Zufalls zu. Aber vielleicht drückt der Zufall nur jenen  Bereich einer universellen Freiheit aus, der wir keinen menschlichen  Sinn zu geben vermögen?</p>
<p><strong>Die doppelte Unendlichkeit der Natur</strong></p>
<p>Auf jeden Fall ist Freiheit  das Kostbarste, was wir haben, weil sie uns aus dem Stahlgehäuse der  Welt als Maschine erlöst. Sie ist allgegenwärtig in Mensch und Natur:  die notwendige  Entsprechung zu den Naturgesetzen. Theologie und Wissenschaft haben  immer wieder versucht, sie hinwegzuleugnen, dennoch bricht sie als  überwältigende Realität immer wieder unter dem Dogma hervor. Die  Allgegenwart der Freiheit – die Voraussetzung dafür, dass  Wissenschaftler überhaupt sinnvolle Experimente anstellen können –  besagt nicht mehr und nicht weniger, als dass die Unberechenbarkeit der  Natur so unendlich ist wie ihre in Gesetzen erfassbaren Ordnungen. Wir  werden die Natur immer weiter entschlüsseln – das ist ein potentiell  unendlicher Prozess. Doch je mehr sich der Lichtkegel weitet, mit der  wir auf diese Weise uns selbst und die uns umgebende Wirklichkeit  erhellen, umso größer wird zugleich das umgebende Dunkel. Auch Benjamin  Libet hat mit seinem Experiment nur bewiesen, dass der Mensch weit  komplexer ist, als er angenommen und vielleicht sogar vorausgesetzt  hatte. Natur und Mensch behalten ihren Zauber und ihre Wunder.</p>
<p>© 22.11.2011 &#8211; Gero Jenner</p>
<p>http://www.gerojenner.com/portal/gerojenner.com/Was_ist_Freiheit.html</p>
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