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	<title>Prinzip Zufall &#187; Schicksal</title>
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	<description>Kunst und Parapsychologie</description>
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		<title>Abschied vom allmächtigen Gott?</title>
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		<pubDate>Tue, 17 Jan 2012 10:03:58 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Feature]]></category>
		<category><![CDATA[Determninismus]]></category>
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		<description><![CDATA[Der Mensch zwischen Zufall, Schicksal und Vorherbestimmung
Von Marc Engelhardt, Deutschlandfunk,
17.01.2012
Im Kernforschungszentrum CERN bei Zürich erforschen  Wissenschaftler den Aufbau des Universums. Sie sind der Entdeckung des  sogenannten &#8220;Gottes&#8221;-Teilchens so nah wie noch nie. Muss die Theologie  Abschied von der Vorstellung eines allmächtigen Gottes nehmen?

Es sind Fragen, die die Menschheit seit mehr als zwei [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h2>Der Mensch zwischen Zufall, Schicksal und Vorherbestimmung</h2>
<h4>Von Marc Engelhardt, Deutschlandfunk,</h4>
<h4>17.01.2012</h4>
<p><strong>Im Kernforschungszentrum CERN bei Zürich erforschen  Wissenschaftler den Aufbau des Universums. Sie sind der Entdeckung des  sogenannten &#8220;Gottes&#8221;-Teilchens so nah wie noch nie. Muss die Theologie  Abschied von der Vorstellung eines allmächtigen Gottes nehmen?<br />
</strong></p>
<p>Es sind Fragen, die die Menschheit seit mehr als zwei Jahrtausenden  bewegen &#8211; wenn nicht schon länger, so lange, wie Menschen begonnen  haben, zu glauben. Wenn es einen allmächtigen Gott gibt, sind wir Teil  seines göttlichen Plans? Ist alles seit den ersten Tagen des Kosmos und  der Welt vorherbestimmt &#8211; unser Leben, und auch unser Seelenheil nach  dem Tod? Die Fragen nach der Prädestination, der Vorherbestimmung, sind  in der theologischen Geschichte immer wieder gestellt worden, sagt  Wolfgang Müller, Professor für Dogmatik an der Universität Luzern &#8211;  endgültig beantwortet wurden sie nie.</p>
<p>Diese  Frage ist ein Resultat der Vermählung zwischen biblischem Denken und  hellenistischem Denken, weil natürlich es ja auch vor dem biblischen  Denken in der Philosophie, denken Sie an Platon, die Stoa, es  Vorstellungen von Gott gegeben hat, da gab es eben in der jungen Kirche  ein Zusammenkommen zwischen dem biblischen und philosophischen Denken  vorsätzlich der Stoa, da hat man dann auch diese Gottesprädikate wie  Allmacht, Allgegenwart und so weiter formuliert, die ja in dieser  Wortschöpfung auch keine biblischen Begriffe sind.</p>
<p>Die  Stoiker im alten Griechenland sprechen vom universellen Prinzip. Jeder  Mensch muss seinen Platz in der gegebenen Ordnung erkennen, ausfüllen  und notfalls ertragen. Das göttliche Prinzip durchzieht den Kosmos, das  Schicksal jedes Einzelnen ist vorbestimmt.<br />
Dieses Weltbild, das sich  in ganz Europa ausbreitet, stellt die frühen Christen vor ein Dilemma.  Dem um 250 nach Christus geborenen Laktanz wird der Satz zugeschrieben:</p>
<p>&#8220;Entweder  will Gott die Übel beschreiben und kann es nicht; Dann ist Gott  schwach, was auf ihn nicht zutrifft. Oder er kann es und will es nicht,  dann ist Gott missgünstig, was ihm fremd ist. Oder er will es nicht und  kann es nicht: dann ist er missgünstig und schwach zugleich, also nicht  Gott. Oder er will es und kann es, was allein Gott ziemt: woher kommen  dann die Übel und warum nimmt er sie nicht weg?&#8221;</p>
<p>Für  Augustinus, der zweihundert Jahre später lebt, steht es außer Frage,  dass alles nach der göttlichen Ordnung der Ursachen geschieht &#8211; und  nichts aus Zufall. Augustinus hält einen Zufallsglauben für ebenso  gottlos wie den Gestirns- und Schicksalsglauben. Die göttliche  Weltordnung umfasst alles. Die Übel können entweder eine pädagogische  Wirkung auf den Menschen ausüben, oder sind Strafen Gottes für die bösen  Taten des Menschen. Das Böse selbst entsteht für Augustinus aus einer  freien Willenstat des Menschen. Gott weiß allerdings diese Willenstat  voraus und ordnet sie in den Weltenlauf ein.</p>
<p>Bis ins Mittelalter  dominiert auch in der breiten Bevölkerung die Überzeugung, dass Gott zu  jeder Zeit auf alles einwirkt. Der Dominikanermönch und Philosoph  Thomas von Aquin trennt im 13. Jahrhundert die göttliche Freiheit &#8211; oder  göttliche Allmacht &#8211; von der Freiheit des Menschen. Vom Dualismus des  Augustinus will Thomas nichts wissen: Gott, so sagt er, sei  bedingungslos gut.</p>
<p>Was Thomas von Aquin beschreibt, ist bis  heute Grundlage des Verhältnisses der katholischen Kirche zur  Prädestination. Der Mensch kann innerhalb des von Gott geschenkten  Glaubens frei entscheiden, ob er auf Gottes Heilsangebot eine positive  Antwort geben will. Gott nimmt dem Menschen nicht seine Freiheit, er ist  das Ziel menschlicher Freiheit.</p>
<p>Anders entwickelt sich die  Diskussion in den reformatorischen Kirchen. Luther streitet ab, dass die  Menschheit ihr Leben selbst in der Hand hat. Er spricht vom Servum  Arbitrium, dem gefangenen, geknechteten Willen. Der von der Erbsünde  verdorbene Mensch bedarf der Rechtfertigung. Auch Jean Calvin, der  Genfer Reformator, hält es für ausgeschlossen, dass der Mensch sein  Seelenheil selbst bestimmen kann.</p>
<p>&#8220;Unter  Vorherbestimmung, Prädestination, verstehen wir Gottes ewige Anordnung,  in der er beschloss, was nach seinem Willen aus jedem einzelnen  Menschen werden sollte. Denn die Menschen werden nicht alle mit der  gleichen Bestimmung erschaffen, sondern dem einen wird das ewige Leben,  dem andern die ewige Verdammnis vorher zugeordnet.&#8221;</p>
<p>Die  Aufklärung wirft manche alte Überzeugung über Bord. Nicht mehr die  Religion, die Naturwissenschaften sollen auf einmal die Welt erklären.  Und die Naturwissenschaften predigen einen unbedingten Determinismus.  Ihnen geht es nicht mehr um die Frage, ob das Seelenheil vorbestimmt ist  &#8211; sondern alles, was existiert. Der französische Philosoph René  Descartes prägt den Begriff der Naturgesetze, Regeln, die  vorherbestimmen, was in einer bestimmten Situation geschehen muss. Der  Mathematiker Pierre-Simon Laplace erschafft den nach ihm benannten  Dämon:</p>
<p>&#8220;Eine Intelligenz, die zu einem  gegebenen Zeitpunkt alle in der Natur wirkenden Kräfte sowie die  gegenseitige Lage aller Objekte, aus denen die Welt besteht, kennen  würde und überdies umfassend genug wäre, diese Kenntnisse der Analyse zu  unterwerfen, würde in einer und derselben Formel die Bewegungen der  größten Himmelskörper des Weltalls und die des leichtesten Atoms  beeinflussen. Nichts wäre für sie ungewiss, Zukunft und Vergangenheit  lägen klar vor ihren Augen.&#8221;</p>
<p>Der Laplacesche Dämon ist ein  neuer Gott, der Gott der Naturwissenschaften, die beginnen, alles in  Formeln zu erklären. Albert Einstein spottet: das, wobei unsere  Berechnungen versagen, nennen wir Zufall.</p>
<p>Für den Philosoph und  Autor Georg Brunold, der in seinem Buch &#8216;Der Triumphzug der Fortuna&#8217; ein  Plädoyer für den Zufall und gegen jede Vorherbestimmung hält,  zementiert der Determinismus ein Weltbild, das dem Menschen jeder  Freiheit beraubt.</p>
<p>Das Ziel der  Wissenschaft ist natürlich die Kontrolle, das heißt: Ausmerzung des  Zufalls. Die Absicht der philosophischen Betrachtung ist es, das  Zufällige zu entfernen, sagte Hegel, und das gilt in Kurzform für die  ganze neuzeitliche Wissenschaft</p>
<p>Dass unwahrscheinlich  nicht unmöglich oder falsch bedeutet, vermutet Anfang des 20.  Jahrhunderts auch der deutsche Physiker Max Planck. Doch ihm selbst ist  nicht wohl dabei, als er auf Grundlage seiner Forschungen den  Determinismus der newtonschen Physik in Frage stellt.</p>
<p>&#8220;Ein  Vorgang, in welchen auch nur eine Spur von Indeterminismus  hereinspielt, ist als Ganzes indeterminiert &#8211; daran kann kein Zweifel  bestehen. Es bleibt also nichts übrig, als den Indeterminismus entweder  gänzlich auszuschalten oder grundsätzlich allenthalben einzuführen.&#8221;</p>
<p>Das  geht Planck selbst zu weit. Doch wie sonst will er erklären, dass die  von ihm entdeckten Quanten, kleinste Energiemengen, keinem Naturgesetz,  keiner Kausalkette folgen? In der klassischen Physik wäre dafür kein  Platz. Doch in der neuen Quantenwelt herrscht der nackte Zufall. Was  heute allgemein akzeptiert wird, ist zunächst umstritten. Einstein  bezweifelt Plancks Ergebnisse mit dem berühmten Satz: Gott würfelt  nicht.</p>
<p>Knapp neunzig Jahre später sind Plancks und Einsteins  Zweifel Wissenschaftsgeschichte. Im Kernforschungszentrum CERN am  Stadtrand von Genf versuchen Wissenschaftler wie Ralf Landua, die  Zufälligkeiten der kleinsten Teilchen und damit den Aufbau des  Universums zu erforschen.</p>
<p>Ich glaube,  es gab gerade in der Physik eine große Revolution vor und nach 1925.  Man hat diese Unschärferelation und die limitiert generell die  Möglichkeit, alles zu wissen über die Natur. Insofern ist uns seit 1925  klar als Physiker, dass es ultimativ auf elementarer Ebene nur Zufälle  gibt. Und nur die Tatsache, dass es über dem Zufall noch eine  Gesetzmäßigkeit gibt, das spiegelt uns manchmal vor, es gebe einen  Determinismus in der Natur, den gibt es aber nicht</p>
<p>Ob Gott  würfelt, weiß Landua nicht &#8211; aber er selbst tut im größten  Teilchenbeschleuniger der Welt im Kern genau das. Landua und seine  Kollegen suchen in der 26,7 Kilometer langen Röhre des Large Hadron  Colliders nach dem Beginn der Materie, dem Zustand des Universums  unmittelbar nach dem Urknall. Den ringförmigen Beschleuniger nennen die  Physiker am CERN auch schlicht Weltmaschine; die gesuchten unsichtbaren  Teilchen, die nur an den Spuren ihres Verfalls erkannt werden können,  Gott-Partikel.</p>
<p>Wir benutzen den  Zufall, weil in all unseren Kollisionen von unseren netten kleinen  Elementarteilchen, die Protonen genannt werden, sind die Ergebnisse im  Grunde genommen zufällig, nur gesteuert von Wahrscheinlichkeiten, und  die Wahrscheinlichkeiten sind extrem klein, um etwas zu finden, das wir  noch nicht kennen. Deshalb brauchen wir den glücklichen Zufall, einmal  in einer Billion Ereignissen etwas zu finden, das neu ist und das uns  einen Hinweis darauf gibt, wie das Universum entstanden ist.</p>
<p>Und  doch ist das Bild eines durch und durch allmächtigen Gottes, der den  Lauf der Welt bis ins Detail vorherbestimmt hat, nicht passé. Die  wachsende Zahl charismatischer Bewegungen und Kirchen in Afrika werben  damit, dass ihre Anhänger nicht erst im Jenseits, sondern schon jetzt  konkret von Gottes Allmacht profitieren können &#8211; persönlich, beruflich,  wirtschaftlich. Und in den USA prosperieren konservative Kirchen, in  deren Zentrum der Glaube an Gottes allumfassenden Plan steht.</p>
<p>Für  diese Kreationisten ist das erste Buch Mose im Alten Testament, die  Genesis, eine historische Primärquelle. Nach ihrer Sicht hat Gott  tatsächlich in sechs mal 24 Stunden die Welt erschaffen &#8211; und am siebten  Tag geruht. Die Evolution lehnen sie als mit der Schöpfungsgeschichte  unvereinbar ab.</p>
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		<title>Sind Schicksal und Zufall Gegensätze?</title>
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		<pubDate>Wed, 21 Sep 2011 09:18:33 +0000</pubDate>
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				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Kausalität]]></category>
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		<description><![CDATA[Gibt es einen Unterschied zwischen Schicksal und Zufall? Als Jugendlicher habe ich mich zu dieser Frage in hitzige Diskussionen verstrickt mit Gleichaltrigen. Je älter ich werde, umso weniger sehe ich da eine Differenz.
Ist es möglich, dass beide Begriffe dasselbe Erleben bezeichnen? Wenn ja, warum dann die Meinung, sie seien Gegensätze?
«Die Quantenmechanik ist sehr Achtung gebietend. [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Gibt es einen Unterschied zwischen Schicksal und Zufall? Als Jugendlicher habe ich mich zu dieser Frage in hitzige Diskussionen verstrickt mit Gleichaltrigen. Je älter ich werde, umso weniger sehe ich da eine Differenz.<br />
Ist es möglich, dass beide Begriffe dasselbe Erleben bezeichnen? Wenn ja, warum dann die Meinung, sie seien Gegensätze?</p>
<p>«Die Quantenmechanik ist sehr Achtung gebietend. Aber eine innere Stimme sagt mir, dass das noch nicht der wahre Jakob ist. Die Theorie liefert viel, aber dem Geheimnis des Alten bringt sie uns kaum näher. Jedenfalls bin ich überzeugt, dass der Alte nicht würfelt», schrieb Albert Einstein 1926 an Max Born. Bei diesen Sätzen handelt es sich nicht etwa um ein religiöses Bekenntnis Einsteins, sondern um den Ausdruck eines Unbehagens gegenüber einer neuen physikalischen Theorie, in welcher Zufall und Wahrscheinlichkeit einen Platz gefunden hatten. Damit hält Anfang des 20. Jahrhunderts eine Terminologie und eine Auffassung von Kausalität in der Physik Einzug, an die man sich in den Sozialwissenschaften bereits spätestens seit Mitte des 19. Jahrhunderts gewöhnt hatte, als man Gesetzmässigkeiten mithilfe der Statistik formulierte.</p>
<p>In einer Welt klassischer mechanischer (newtonscher) Kausalität liegt die Zukunft eigentlich immer schon in der Gegenwart eingeschlossen. Jedes Ereignis und jeder Zustand ist durch vorherige Bedingungen vorherbestimmt, und einzig die Komplexität dieser Bedingungen hindert uns daran, die Zukunft vollständig vorhersagen zu können. Die Zukunft ist das künftige Schicksal der Vergangenheit, Zufälle haben darin keinen Platz. Wenn uns dennoch mancherlei als zufällig erscheint, so liegt dies einzig an der Unzulänglichkeit unserer Auffassung. Diese seit dem 17. Jahrhundert bewährte Weltsicht änderte sich mit der statistischen Formulierung der Kausalität. Zufall und Schicksal sind im Rahmen von Wahrscheinlichkeiten nicht mehr unvereinbar. Gott mag zwar würfeln und jedes einzelne Ergebnis, dass der Würfel zeigt, ist dann zufällig (es sei denn, er würfelte mit gezinkten Würfeln); aber dass er bis ans Ende dieser Welt stets nur Sechser würfelt, ist extrem unwahrscheinlich.</p>
<p>Wenn wir heute über unser (künftiges) Schicksal nachdenken und es in Verbindung mit unserer Vergangenheit bringen, dann denken wir in Wahrscheinlichkeiten. Es ist sehr unwahrscheinlich, dass wir jemals im Lotto gewinnen werden, aber natürlich nicht auszuschliessen. Und nicht nur unser Glück, sondern auch unser Unglück ist von Wahrscheinlichkeiten geprägt. Es ist unser Schicksal geworden, dass die Zufälle unseres Lebens Punkte auf der Kurve der Normalverteilung sind. Ausrutscher sind möglich, aber «nicht normal».</p>
<p>Peter Schneider, Basler Zeitung, 21.09.2011 &#8211; http://bazonline.ch</p>
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