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  • Schwierigkeiten bei der Suche nach dem Übernatürlichen
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    Aus der ZEIT Nr. 07/1974, Spuk und Spökenkiekerei
    Von Thomas von Randow
    Niemand weiß, ob es wirklich die Erscheinungen gibt, die man paranormale Phänomene oder im Volksmund schlicht Spuk und Spökenkiekerei nennt, also Gedankenübertragung, Hellsehen, Vorauswissen zukünftiger Ereignisse und die Bewegung oder gestaltliche Veränderung toter materieller Gegenstände allein durch psychische Beeinflussung, die sogenannte Psychokinese. Die [...]

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  • Filmausstellung von Romeo Grünfelder – noch bis 26.11. in Ahrensburg
  • In der Ausstellung „subversion d’image“ präsentiert der Hamburger Künstler und Filmemacher Romeo Grünfelder (*1968) vom 22. Oktober bis 26. November 2017 eine Rauminstallation mit fünf Kurzfilmen, die in der Galerie im Marstall Ahrensburg erstmals gemeinsam gezeigt werden. Jeder Film stellt ein Experiment dar, das sich filmischen Bedingungen wie der Perspektive, des Schnitts, oder der Zeit [...]

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  • By Claudia Seidel on July 7, 2017
    “Ted Serios worked as a bellhop at the “Chicago Conrad Hilton Hotel” together with his colleague George Johannes who hypnotized Serious in order to spot hidden locations of sunken treasures in the sea”
    Even though the publishing of this book dates back to 2016 its subject remains timeless: To [...]

Das Prinzip Zufall, Teil 7/7: Vorbild Internet

Mit der Digitalisierung jedoch setzte eine historische Gegenbewegung ein – hin zu einem Equilibrium, wie es Goethe einmal als natürlich beschrieb: „Das Gewebe dieser Welt ist aus Notwendigkeit und Zufall gebildet.“ Den verhärteten bürokratischen Großstrukturen, die mit der Industrialisierung gewachsen waren und von denen die kommunistische Kommandowirtschaft nur die größte und daher lebensunfähigste Wucherung darstellte, [...]

By admin

Mit der Digitalisierung jedoch setzte eine historische Gegenbewegung ein – hin zu einem Equilibrium, wie es Goethe einmal als natürlich beschrieb: „Das Gewebe dieser Welt ist aus Notwendigkeit und Zufall gebildet.“ Den verhärteten bürokratischen Großstrukturen, die mit der Industrialisierung gewachsen waren und von denen die kommunistische Kommandowirtschaft nur die größte und daher lebensunfähigste Wucherung darstellte, traten im letzten Drittel des 20. Jahrhunderts dank der digitalen Ausdifferenzierung von Steuerungstechniken und vor allem dank der Virtualisierung vieler Prozesse, die zuvor im Realraum hatten stattfinden müssen, freiere und effektivere Organisationsformen zur Seite.

Entscheidend für die theoretische wie praktische Rehabilitierung des freien Spiels waren die Durchsetzung von Internet und WWW. Das wenig strukturierte, unreglementierte, ungehemmte und gerade deswegen so erfolgreiche Wachstum des globalen Datenraums bot den besten Beweis für die technischen, ökonomischen und auch sozialen Vorteile von Offenheit und weitgehender Selbststeuerung. Aufgrund seiner niedrigen Zugangsschranken ermächtigte das digitale Netz potentiell jeden Bewohner der industriellen Länder, global zu kommunizieren, sich zu informieren und zu publizieren, Waren zu erwerben und selbst anzubieten. Inmitten der verwalteten Welt entstand so plötzlich und ungeplant ein Freiraum, ein Produktionsmedium für gewagtes Denken, unkontrolliertes Handeln, neue Ideen und zufällige Synergien. Gleichzeitig war das Internet technisch wie in seiner Administration durch wechselnde Kleingruppen beweglich genug angelegt, um mit dem unerwartet explosiven Wachstum des Datenverkehrs, der sozialen udn geografischen Ausweitung und denvöllig unvorhergesehenen Wechseln im Nutzerverhalten wie etwa der Wende zum grafischen WWW und dem nachfolgenden E-Kommerz fertig zu werden. “Ich glaube,der Schlüssel zum Erfolg des Internet war das Engagement für Flexibilität und Vielfalt, sowohl im technischen Design wie in der organisatorischen Kultur“, schreibt Janet Abbate. “Niemand konnte die spezifischen Veränderungen vorhersehen, die am Endedes 20. Jahrhunderts die Computer- und Kommunikationsindustrie revolutionieren sollten. Eine Netzwerkarchitektur, die dazu entworfen war, eine Vielzahl von Computertechnologien zu bewältigen, kombiniert mit einem informellen und nicht ausgrenzenden Verwaltungsstil, verschafft dem Internet als System die Fähigkeit, sich einer unberechenbaren Umwelt zu adaptieren.“

Die naturwüchsig verlaufene globale Vernetzung bietet damit das historische Beispiel für die Vorteile einer auf individuelle Freiheit angelegten und enthierarchisierten Selbstorganisation. Wer den Mangel an institutioneller oder sozialer Kontrolle über Jahre hinweg als stimulierend und fruchtbar erleben konnte, vermag auch im Rückblick auf andere Epochen und Umstände die Bedeutung ähnlich offener Rahmenbedingungen zu erkennen – und damit zugleich die Vergeblichkeit von Vorgaben und Diktaten, wie sie immer noch viele in ihrem Festklammern an die zunehmend anachronistische industrielle Kontrollmentalität fordern. Folgte aus dem Einfluss glücklicher Fügungenauf den Prozess technologischer Innovationen die weitgehende Unmöglichkeit, ihre Entwicklung zu prognostizieren oder gar zu planen, so begründet die noch größere Unberechenbarkeit der sozialen Durchsetzung von Technologien im Wechselspiel kultureller Kräfte und kommerzieller Interessen die prinzipielle Problematik jeder religiös oder politisch motivierten Regelung.

Die konservativen Gegner des Buchdrucks befürchteten, die ungehemmte Verbreitung von Büchern werde, indem sie die Menschen zu Viellesern mache, ihre Fähigkeit zu Gedächtnisleistungen auf schädliche Weise reduzieren – ein Argument, das übrigens schon die Feinde der Schrift vorgebracht hatten. Die Gegner des Telegrafen führten gegen in ins Felde, er sei überflüssig teures Unternehmen, da sich die Bewohnerverschiedener Weltgegenden gar nichts mitzuteilen hätten. In guter Erinnerung sind auch die kurzsichtigen Argumente, mit denen noch vor wenigen Jahren in Deutschland gegen die Notwendigkeit einer flat rate gestritten wurde und damit gegen eine – der Strom- oder der Wasserversorgung vergleichbaren – permanenten Anbindung ans Internet. In all diesen Fällen hätten oder haben zum Teil auch staatliche Monopole, Eingriffe und gesetzliche Vorschriften die weitere erfolgreiche Entwicklung nur behindert.

Treffsicherer als die Meinungen selbsternannter oder tatsächlicher Experten sowie wohlmeinender Auto- oder Bürokraten erwies sich dagegen stets die kollektive Weisheit der partizipierenden Zeitgenossen, die Millionen von Einzelentscheidungen trafen und damit den historischen Verlauf letztlich bestimmten. Der Schluss liegt nahe, dass auch für die Gegenwart – etwa im Falle der eskalierenden Auseinandersetzung um die Gentechnologie, dieses ebenfalls gänzlich ungeplante Kind der Digitalisierung – unbehindertes Zulassen nicht nur das freiheitlichste, sondern auch zukunftsträchtigste Rezept sein dürfte. Denn angesichts unvermeidlicher zeitgenössischer Ignoranz und Kurzsichtigkeit war keine obrigkeitsstaatliche Regelung noch stets die beste Lösung aller Probleme, die sich anfänglich mit der sozialen Durchsetzung neuer Technologien verbanden.

Jenseits solch politischer Erwägungen, die sich auf die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen der Forschung richten, ergeben sich aus der konstitutiven Unberechenbarkeit innovativer Prozesse aber auch wesentliche Schlüsse für die innere Organisation von Projekten, die auf kreative Ergebnisse zielen. Vom Buchdruck über Telefon, Phonograph, Radio, PC bis zu Internet und WWW demonstriert die Geschichte des technologischen Fortschritts mit der Fundierung auf glückliche Fügungen, Zweckentfremdungen und unvorhergesehene schöpferische Zerstörungen, dass es nicht nur vergeblich, sondern auch schädlich ist, Zufälle verhindern zu wollen. Auch in dieser Hinsicht liefert das Internet das Modell für den Paradigmenwechsel von hierarchischer Kontrolle in der mechanisch-industriellen Tradition zu den dezentralen und evolutionär orientierten Arbeitsformen der digitalen Epoche. Der beobachteten Parallelität zwischen technologischem Entwicklungsstand und zeitgenössischer Auffassung vom Charakter kreativer Arbeit entsprechend beendet die Digitalisierung die Vorbildfunktion von Fabrik und Bürokratie. An die Stelle ihrer autoritären Ordnung tritt die Bereitschaft, den Zufall, der im Prinzip ohnehin herrscht, nun aktiv zuzulassen und unberechenbare Kräfte, Koinzidenzen und Synergien so weit als möglich für die eigenen Zwecke einzuspannen.

Die beiden fortgeschrittensten Beispiele dafür finden sich, was nicht verwundernkann, in der Software-Produktion: die Open-Source-Bewegung und das evolutionäre Programmieren. Erstere hat eine egalitär-meritokratische Organisationsstruktur, die Eric Raymond einmal im Gegensatz zu dem hierarchisch organisierten Bau einer Kathedrale mit den offenen Interaktionen auf einem Bazar verglichen hat. Diesem Marktplatz der Ideen und Kodes korrelieren die diversen Varianten evolutionären Programmierens dialektisch: Die Rolle der kollektiven und wesentlich blinden Intelligenz, die beim Open-Source-Modell Hunderte oder Tausende über den Erdball verteilte und einander zumeist unbekannte Programmierer spielen, übernehmen hier Generationen von Algorithmen, die nach den Prinzipien natürlicher Selektion und in einer Vielzahl von arbiträren Mutationen auf Problemlösungen stoßen. Von beiden Ansätzen werden in den kommenden Jahren die geistes- wie naturwissenschaftliche Forschung und auch technologische Großprojekte zu lernen haben.

Das Prinzip Zufall. In: C’T – MAGAZIN FÜR COMPUTERTECHNIK, 5. Mai 2001, S. 246- 251. freyermuth.com – http://de.scribd.com/doc/102312786/Das-Prinzip-Zufall

Autor: Gundolf S. Freyermuth, freyermuth.com

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Wir sagen Zufall und meinen Synchronizität.
Andreas Tenzer, (*1954), deutscher Philosoph und Pädagoge

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